Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde126 (2023) / N.S. 77Faber, Monika; Keckeis, Martin: Ölrausch und Huzulenkult – fotografische Streitobjekte aus Galizien und der Bukowina

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Ölrausch und Huzulenkult – fotografische Streitobjekte aus Galizien und der Bukowina : eine zusammenfassende Betrachtung
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ÖZV, LXXVII/ 126, 2023, Heft 2

dem Museum für angewandte Kunst( 1887) belegen, dass für denFotografen die Titel nicht bindend waren: Er nannte andere Orte undbezeichnete in den kommenden Jahren weitere Modelle als Huzulen möglicherweise ein Resultat des wachsenden ethnografischen Inte-resses, das seine Produkte bedienten.

Einige Fotografien verfügen über Namensangaben, welchedie Modelle in Przybyslawskis Album namentlich identifizierten undfehlerhafte Ortsnamen in Bildtiteln korrigierten. Die Abgebildetenwaren zum Teil seine eigenen Untergebenen oder er hat sie vermut-lich von seinen früheren Besuchen der Gebirgsregion gekannt. Derfür Typen"-Bilder übliche Verlust der Kenntnis der Personen wirderst später wohl absichtsvoll- erfolgt sein.

Publiziert erschienen jedenfalls praktisch alle huzulischen"Modelle namenlos. Mit Bezeichnungen wie Bauer aus Mikuliniecoder, Huzule aus Dolhopol" 31 wurden die Fotografierten zu entper-sonalisierten Vertreter* innen ihrer Ortsgemeinschaft oder zu Ange-hörigen einer ethnischen Gruppe, wie dies schon in den beliebtenDruckgrafikzyklen mit Titeln wie National- Kleidertrachten( vonFranz Jaschke) seit Ende des 18. Jahrhunderts üblich gewesen war.Zweifellos diente dies in der Ethnografischen Ausstellung primär zurEtablierung von Distinktionsmerkmalen im Hinblick auf Kleidungoder Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum in verschiedenen Gegenden oder bei bestimmtenTeilen der Bevölkerung.

In zumindest zwei in der Ausstellung präsentierten Fällenhingegen geht der Wunsch nach Identifikation typisch huzulischerMerkmale mit der namentlichen Nennung der Fotografierten einher:Jurko Skryblak, der schlicht gekleidete Schnitzer aus Javoriv( Jawo-riw), dessen Söhne noch 1894 auf der Ausstellung vor dem Kaiser die, typisch huzulische Kunst des Holzbearbeitens vorführen sollten,behielt als Inbegriff dieser Fertigkeit( fast immer) seine Namens-nennung auch nach seinem Tod. Dabei wurde er wohl auch nichtals individuelle Persönlichkeit, sondern als positiv besetzter Typus"verstanden, wenn sein Konterfei regelmäßig auf Ansichtskarten oderBuchillustrationen auftauchte.

31 Mykulyčyn( Mykulytschyn) bzw. Dovhopillja( Dovhopillya).