Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde110 (2007) / N.S. 61Eisch-Angus, Katharina: Psychoanalyse und Semiotik im Sicherheits-Netz

  
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Psychoanalyse und Semiotik im Sicherheits-Netz : eine ethnografische Verwirrung und methodische Verknüpfung
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2007, Heft 2-3

Psychoanalyse und Semiotik im Sicherheits- Netz

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Alltag werden sie von Männern beraten, sie sind gehalten, für Haus-halt und Familie, aber eben auch auf Reisen die Sicherheitsregeln derBehörden, Medien und Sicherheitsindustrie umzusetzen. Das Macht-und Diskurssystem der Sicherheit strukturiert sich also über dieGeschlechterdifferenz: über die Strategien der Ausblendung vonFrauen im gesellschaftlichen Diskurs, der selektiven Zuteilung vonRederechten und durch die Markierung des Weiblichen als des jeweilspassiven Teils. Eine Polarisierung des Diskursfelds Sicherheit findetstatt, die vom Geschlechterverhältnis ausgeht, sich aber auf dieMacht- und Rollenverteilungen in allen Praxisbereichen überträgt.

Diese Polarität eines aktiven, männlichen, rationalen Parts undeiner passiven, weiblichen Rollenerwartung bei der Herstellung vonAlltagssicherheit geht einher mit deren gesellschaftlicher Privatisie-rung und Individualisierung, die Thomas Lemke mit Foucault alsSignum des Neoliberalismus analysiert20 und in denen er die ,, Pro-duktion und Ausbeutung von Ängsten" erkennt.21 Wenn in den Medi-en wie auch im erlebten Alltag eine Sicherheitsbedrohung die nächstejagt, so erzeugt dies ein ständiges Gefühl von Ohnmacht und exis-tentieller Angst. Der einzige Ausweg auf der, weiblichen Dis-kursseite scheint die bedingungslose Erfüllung jeglicher Sicherheits-anforderungen an das Individuum zu sein ohne dass dies jemalsganz einlösbar wäre. Mario Erdheim hat gezeigt, wie die Nichteinhal-tung von Spielregeln Schuldgefühle schafft und auch schaffen soll,und auch das ist in meinen über das Jahr 2006 aufgezeichnetenForschungsnotizen immer wieder aufweisbar.22 In meiner Beispielge-schichte steht für die privatisierte Verantwortung für die eigene undfremde Sicherheit auch das Handy: Ständig erreichbar zu sein, istlängst zur gesellschaftlichen Anforderung und damit zum Indiz ver-antwortlichen Handelns geworden. Auf der, männlichen Seite desDiskursfelds nun wird im Zeichen der Individualisierung von Sicher-heit nicht nur das moralische Einfordern verantwortlichen Handelnszur legitimen Praxis, sondern auch die aktive Bürgerselbsthilfe: Viel-leicht aus diesem Grund wurde mein Rucksack nicht einfach dem

20 Vgl. Lemke, Thomas: Dispositive der Unsicherheit im Neoliberalismus. In:Widerspruch 46( 2004) 1, Marktregime und Subjekt im Neoliberalismus, S. 89-98.

21 Lemke: Dispositive der Unsicherheit( wie Anm. 20), S. 93.

22 Erdheim, Mario: Spielregeln, Gewalt und Unbewusstheit. In: ders.: Die Psycho-analyse und das Unbewusste in der Kultur. Frankfurt am Main 1988, S. 284–296.