Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde110 (2007) / N.S. 61Eisch-Angus, Katharina: Psychoanalyse und Semiotik im Sicherheits-Netz

  
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Psychoanalyse und Semiotik im Sicherheits-Netz : eine ethnografische Verwirrung und methodische Verknüpfung
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Katharina Eisch- Angus

ÖZV LXI/ 110

grenze eine sexistische Beziehungsdynamik frei, die ich nicht negie-ren konntewären doch die beschriebenen Dialoge und Abläufe

unter zwei Männern so kaum denkbar gewesen.

Damit aber scheint der Tagebucheintrag nicht nur seinem Themazu entgleiten, sondern auch in Banalitäten und private Befindlichkei-ten abzudriften, die wir auch als Anthropologen gar nicht wissenwollen. Wo, so möchte man fragen, bleibt die Forschungsrelevanz zurFrage nach der Sicherheit, die die Geschichts- und Sozialwissen-schaften als ,, Leitvokabel in Politik und Gesellschaft, 4 wenn nichtals ,, anthropologische Konstante" handeln, und die Michel Foucaultbereits in den siebziger Jahren als Movens eines völlig neuen Gesell-schafts- und Machtsystems ausmachte? So universal die ,, KategorieSicherheit" für die Wissenschaft ist, so allgegenwärtig ist sie imAlltag, ob wir nun die Zeitung öffnen oder das Internet, ob wir unsereZukunft und den Lebensunterhalt planen oder einfach Hausarbeiterledigen wollen, ob wir ins Auto, ins Flugzeug oder in die Bahnsteigen.( Oder ob wir eine Stadt und eine kulturwissenschaftlicheTagung besuchen: Gleich bei der Ankunft in Wien fiel mir als Erstesein großes Plakat ,, Mehr Sicherheit für die Gesellschaft in dieAugen, auf den zweiten Blick waren hinter dieser Aufschrift einweißes und ein schwarzes Schaf zu erkennen.) 8

Der Versuch erscheint paradox: Um dieses weitverstreute Feld zufokussieren, nütze ich ausgerechnet die offene und unstrukturierteMethodik der teilnehmenden Beobachtung( oder, mit Anne Honer,

4 Conze, Eckart, in: Freiheit und Sicherheit in der Balance. Eine Gratwanderungpolitischen Handelns. Radiofeuilleton: Kulturinterview. Deutschlandradio, ge-sendet am 1.12.2005. URL: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kulturin-terview/ 443791/[ 18.9.2006].

5 Wolfgang Bonẞ folgt damit Niklas Luhmann, für den ,, das Sicherheitsstreben[...] eine Art anthropologische Konstante" darstelle. Bonẞ, Wolfgang: Vom Risi-ko. Unsicherheit und Ungewißheit in der Moderne. Hamburg 1995, S. 90.Beispielsweise sieht auch Wolfgang Sofsky Sicherheit als ,, das Grundproblemder menschlichen Gattung, vgl. Sofsky, Wolfgang: Das Prinzip Sicherheit.Frankfurt am Main 2005, Klappentext.

6 Foucault, Michel: Die Sicherheit und der Staat. In: ders.: Schriften in vierBänden- Dits et Ecrits, Band III, 1976–1979. Frankfurt am Main 2003, S. 495-504, hier: 501.

7 Conze, Eckart: Sicherheit als Kultur. Überlegungen zu einer, modernen Poli-tikgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. In: Vierteljahreshefte für Zeit-geschichte 53( 2005) 3, S. 357-380, hier: S. 359.

8 Feldtagebuch 24.11.2006.