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Elisabeth Timm
ÖZV LXI/ 110
völkische Ausrichtung der Volkskunde seit dem Ersten Weltkriegverballhornte dieses Interesse zur Suche nach germanischen„ Ur-sprüngen“ und„, Sinnbildern“, parallel dazu wurden die empirisch-kritische Befragung, die historische Differenzierung und die Kon-textualisierung der Kulturanalyse aufgegeben. Nach 1945 führte dieKritik daran zu einer bis heute nachwirkenden ,, Antisymbolik“ undstrikten Kontextorientierung bei der Interpretation empirischen Ma-terials in den Nachfolgefächern der Volkskunde, 21 weil die Ideologie-kritik der Volkstumswissenschaft“ und die Dokumentation derFachgeschichte in der NS- Zeit22 auch als Absage an die kulturverglei-chende Dimension des Faches( miss) verstanden wurde. Teilweisewurden solche Interessen an Deutungen, die soziale historische Kon-texte überschreiten, wieder formuliert, angeregt beispielsweise durchdie französische Mentalitätsgeschichte der Annales- Schule, neu etwain einer aktuellen Standortbestimmung, in der aus der TübingerSchule des Faches heraus eine postdekonstruktivistische und neoma-terialistische Perspektive( teilweise mit Bezugnahme auf die Psycho-analyse) skizziert wird.23 Diese kulturanthropologisch- vergleichende
volkskundlichem Material intensiver war als die Bereitschaft der Volkskunde,sich der Psychoanalyse zu bedienen oder mit ihr in Austausch zu treten. BerndJürgen Warneken dokumentiert in seiner Rekonstruktion der„ Primitivität Glossar ::: zum Glossareintrag Primitivität“ als( neben ,, Kreativität“ und„, Widerständigkeit“) eines von drei ,, Leitmotiven" der,, Ethnographie popularer Kulturen", dass es nicht zutrifft ,,, das der damaligeMainstream der deutschsprachigen Volkskunde sich für die Affinitäten zur Psy-chologie und vor allem zur Psychoanalyse besonders interessiert hätte( wogegenz.B. Freud neben der völkerkundlichen auch die volkskundliche Arbeit mitInteresse beobachtete)"( Warneken, Bernd Jürgen: Die Ethnographie popularerKulturen. Eine Einführung. Wien u.a. 2006, S. 25.
21 So Korff, Gottfried: Antisymbolik und Symbolanalytik in der Volkskunde. In:Brednich, Rolf Wilhelm, Heinz Schmitt( Hg.): Symbole. Zur Bedeutung derZeichen in der Kultur. 30. Deutscher Volkskundekongreß. Münster u.a. 1997,S. 11-30.
22 Z.B. Bausinger, Hermann: Volksideologie und Volksforschung. Zur nationalso-zialistischen Volkskunde. In: Zeitschrift für Volkskunde 61( 1965), S. 177-204;Jacobeit, Wolfgang, Hannsjost Lixfeld, Olaf Bockhorn( Hg.): Völkische Wissen-schaft. Gestalten und Tendenzen der deutschen und österreichischen Volkskundein der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wien u.a. 1994.
23 Maase/ Warneken: Unterwelten der Kultur( wie Anm. 20); insbesondere die Bei-träge von Utz Jeggle( Inseln hinter dem Winde. Studien zum ,, Unbewussten" inder volkskundlichen Kulturwissenschaft, S. 25-44), Friedemann Schmoll- derfordert, bei der Untersuchung der„, Kulturbegabung des Menschen(...) dienatürlich- stofflichen, materiell- kulturellen und die kulturell- symbolischen Di-