Jahrgang 
110 (2007) / N.S. 61
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LXI/ 110

sich in Ritual, Zeremonie und anderen Handlungsformen( bis hin zu Son-derheiten etwa der ,, mechanischen Andacht, S. 105) manifestieren, überdas ,, Heilige Personal"( inklusive seiner diabolischen ,, Antipoden") und derihm zugewiesenen ,, Jenseitsorte bis zu den ,, Religionsübungen" als jenen,, gestanzten" Formen der Frömmigkeit, die der ,, Vergegenwärtigung desHeiligen und seiner Nutzung( in Wallfahrt etwa und Votivwesen) dienen.

Doch nicht nur den Figurationen des Glaubens, auch jenen des Zweifelswidmet sich das Buch- eine Perspektive, die bereits angekündigt ist durchdas ,, Kruzifix mit Blitzableiter( S. 17f.), Zeichen des Glaubens und seinesVerfalls zugleich, das im einführenden Abschnitt erwähnt wird- jenemKapitel, in dem nicht nur die ,, Interessen und Intentionen( S. 1) des Autors,sondern vor allem auch die seiner fachlichen Vorläufer vorgestellt werdenund das so als eine anschauliche Geschichte der facheinschlägigen Religi-onsforschung im Spannungsfeld von ,, Primitivenschelte Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitivenschelte des Gebildeten undEinfachenlob des Volkskundlers"( S. 41) gelesen werden kann. Über weiteStrecken der Schrift ,, über die Religion" wird also auch eine ,, Geschichteder Gottlosigkeit( S. 157) geboten, deren thematische Erörterung hierguten Gewissens nur durch Nennung von Kapitelüberschriften wie ,, Sakri-leg und Blasphemie oder, Atheismus im Christentum und das Unterirdi-sche in der Religion angedeutet sein darf bietet doch gerade dieserAbschnitt ein solch vielfältiges Spektrum an einschlägigen Details undIllustrationen zur geschichtlichen Entfaltung des Zweifels und des Atheis-mus, dass ihm( wie dem gesamten Werk) resümierende Einfalt nicht gerechtwerden könnte.

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Kurzum also: Scharfe rekapituliert in seinem Buch über ,, Glaube undZweifel in der Volkskultur" die Geschichte der überlieferten Ordnungen undUnordnungen der christlichen Religion- womit der fachliche und konfes-sionelle Horizont angedeutet sei: Es handelt sich expressis verbis um eine, Volkskunde der Religion und ihrer Refüsierung, und es mag in der Naturdieser Wissenschaft vom Eigenen liegen, dass hier großteils ,, katholischeKulturmuster( S. 147) bzw. deren Profanierung und Mißachtung imVordergrund stehen. Wie ja auch, über dieses konfessionelle Moment hin-aus, so manches ausgeklammert bleibt( und nach Scharfes Prämissen wohlausgeklammert bleiben muss).

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,, Figuren, Gebärden und Szenen: Da mag man an den Wiener Volks-kundler Leopold Schmidt denken, der dem Volksglauben und dem,, Brauch ohne Glauben ebenfalls in ,, öffentlichen Bildgebärden nachge-spürt hat- wie auch dessen gelegentlich artikulierte Weigerung ,,, den gei-stigen Letztverbraucher als Orakel anzusehen, an Scharfes Skepsis gegen-über der religionswissenschaftlichen Behandlung von ,, subjektiver Fröm-migkeit", des individuellen Erfahrungszusammenhangs also, erinnert( und