Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde109 (2006) / N.S. 60Maurer, Hermann: Wallfahrtsandenken von Maria Dreieichen – Zeugnisse ab der Barockzeit

  
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Wallfahrtsandenken von Maria Dreieichen – Zeugnisse ab der Barockzeit
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2006, Heft 4

Wallfahrtsandenken von Maria Dreieichen

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Ein eigenes Kapitel religiöser Volkskunst stellen die Wallfahrtsan-denken dar. Diese sind oft die einzigen Zeugen, welche wegen ihresdinglichen Charakters langfristig die Wallfahrtsaktivitäten dokumen-tieren. Von den Pilgern wurden sie meist ein Leben lang sorgfältigaufbewahrt und oft auch weitervererbt. Bis in die Gegenwart wurdenWallfahrtsandenken aber auch in das Grab mitgegeben, sodass vielesdadurch nicht mehr zur Verfügung steht. Aus der Zeit des 17. Jahr-hunderts scheinen für Maria Dreieichen keine diesbezüglichen Rea-lien überkommen zu sein. Ob dies mit der zögerlichen Entwicklungdieser Wallfahrtsstätte zusammen hängt und solche Dinge in derAnfangszeit nicht hergestellt wurden oder ob sich hauptsächlichwegen der anzunehmenden geringen Stückzahl keine erhalten habenoder bisher keine nachweisen ließen, dies kann derzeit nicht entschie-den werden. Die Waller begnügten sich möglicherweise mit den vonder Eiche stammenden ,, heiligen Blättern, mit Rindenstücken oderHolzspänen. Erst mit dem Bau der Kapelle und dann vor allem derKirche im 18. Jahrhundert setzt hier eine Entwicklung ein, wie mansie beispielsweise aus der Anfangsphase von Maria Taferl8 kennt.

Das erste Mirakelbuch von Maria Dreieichen erschien im Jahre1753 in Retz. Es enthält zurückschauend die Ursprungslegende unddie Gnadenerweise der Frühzeit. Eine zweite Auflage10 wurde 1770

6 Vgl. allgemein Beitl, Klaus, Volksglaube. Zeugnisse religiöser Volkskunst. Salz-burg und Wien 1978, S. 5ff.- Brauneck, Manfred: Religiöse Volkskunst, Votiv-gaben, Andachtsbilder, Hinterglas, Rosenkranz, Amulette. Köln 1978, S. 8ff.7 Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch 2, Niederöster-reich und Burgenland. Wien 1955, S. 97.- Das Mirakelbuch von 1770( genauesZitat in Anm. 10) bringt nur einen Nachweis betreffend die Verwendung desHolzes( S. 51): ,,... kleine Schaitlein von dem Eichstamm,..." und drei Nachwei-se( S. 72, 75 und 133) betreffend das Auflegen der Vesperbilder.

8 Noichl, Elisabeth: Die regensburgische Herrschaft Pöchlarn und die Anfänge derWallfahrt Maria Taferl nach Quellen des Bayerischen Hauptstaatsarchives. In:Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen Institut für Landes-kunde 11. 1989, S. 98ff.- Maurer, Hermann: Ein frühes Wallfahrtsbild von MariaTaferl, Niederösterreich. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LVI/ 105,2002, S. 407ff.

9 Gugitz: Gnadenstätten( wie Anm. 7), S. 98.10,, COMPENDIUM HISTORICUM Von dem Ursprung des Marianischen Wall-fahrts- Ort zu Drey Eichen auf den sogenannten Molder- Berg unweit Horn. Inden, dem Uralt= Hochlöbl. Stift und Kloster Altenburg Ord. SS. P, Benedictiincorporirten Pfarr- District Riedenburg, in Unterösterreich gelegen. Mit Erlaub-niẞ hoher geistlichen Obrigkeit. Zweyte und vermehrte Auflage. Rötz, gedrucktbey Christoph Joseph Hueth, Wiennerischen Universitäts- Buchdrucker, 1770."