Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LX/ 109, Wien 2006, 435-452
Wallfahrtsandenken von Maria DreieichenZeugnisse ab der Barockzeit
Hermann Maurer
Der Beitrag beschäftigt sich mit Erinnerungsgegenständenund Zeugnissen der Volksfrömmigkeit der Wallfahrt von Ma-ria Dreieichen, im Besonderen jedoch mit dem Typus deskleinen Andachtsbildes, seinen Funktionen und seiner Her-stellung durch großteils spezialisierte Verleger. Den bisher 15zu Maria Dreieichen bekannten Bildmotiven des 18. Jahrhun-derts steht eine Fülle von Produkten des 19. Jahrhundertsgegenüber, veranlasst durch verbesserte Produktionsmetho-den und entsprechende Nachfrage. Der Autor geht auch aufspezielle Bildtypen wie das Mehrortewallfahrtsbild oder dieBildchen mit Eichblatthintergrund ein.
Vor 350 Jahren- im Jahre 1656 – sind jene legendenhaften Gescheh-nisse anzusiedeln, die letztendlich zu dem geführt haben, was manheute unter Maria Dreieichen' versteht.
Matthias Weinberger, ein gottesfürchtiger Bürger und Kürschner-meister der Stadt Horn, träumte während einer schweren Erkrankung,er möge das in seinem Haushalte verehrte wächserne Vesperbild aufden Molderberg tragen und es dort in einer dreigeteilten Eiche zuröffentlichen Verehrung aufstellen. Der Entschluss, dieser Traumwei-sung nachzukommen, besserte seinen Gesundheitszustand, sodass erbald in der Lage gewesen wäre, dieses Vorhaben zu realisieren. Abererst zwei weitere Traumgesichte bewirkten die tatsächliche Durch-führung. Danach setzte hier ein reger Zulauf hilfesuchender Men-schen ein. Bald darauf – 1675/1680- brannte die Eiche infolge einerBrandstiftung(?) samt dem Bilde ab², begann aber nach einiger Zeit
1 Naber, Bernhard, Berthold Koppensteiner: Wallfahrtskirche Maria Dreieichen.Wien 1998.- Bösner, Robert, Alexander Weiger: Wallfahrts- und PfarrkircheMaria Dreieichen. Salzburg 2000.
2 Schmidt, Leopold: Volkskunde von Niederösterreich 2. Horn 1972, S. 329.- ZurGegenreformation und zu den Widerständen von evangelischer Seite in Horn und