Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Das was verschwindet“ : der ethnografische Aspekt im Werk Erzherzog Ludwig Salvators
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2006, Heft 3

,, Das was verschwindet"

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Tafelbänden der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences,des arts et de métiers so eindrucksvoll vor Augen führt: Ohne bildli-che Darstellungen, die auf einen Blick mehr als eine ganze Textseitezu sagen vermögen, würde ein noch so gut geschriebenes Nachschla-gewerk in seiner Aussage stets vage und unklar bleiben! 8

Diderots Enzyklopädie war Ludwig Salvator zweifellos nicht nurbekannt, sondern diente ihm auch als unmittelbare Anregung für dieKonzeption seiner Abbildungen, die, wie die Gegenüberstellung deut-lich zeigt, sowohl in der graphischen Komposition als auch der Art Tä-tigkeits- bzw. Funktionsabläufe darzustellen, Diderots Vorlage auf-nimmt.

Das ,, Wort- Bild- Prinzip" liegt Ludwig Salvators sämtlichen Be-schreibungen bäuerlich- landwirtschaftlicher, handwerklicher und häus-licher Tätigkeiten, Räumlichkeiten, Gerätschaften und Produktenzugrunde. Stets werden die ortsüblichen Bezeichnungen eingeführtund durch Abbildungen eindeutig definiert. Als Beispiel sei hier eineStelle über die Herstellung von Olivenöl auf Mallorca zitiert:

,, Zur Oelbereitung hat man auf Mallorca eigene Fabriken, Tafonas,welche, wenn auch in einer noch sehr primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Weise, alles Nöthige fürdie Gewinnung dieses für die Insel so wichtigen Productes enthalten. Fastjedes Gut, welches grössere Oelbaumpflanzungen hat, enthält eineTafona, die einen Theil vom Hause des Besitzers einnimmt. DieTafonas sind meist ziemlich grosse Räume, denen die Vorratskammern( Greners) für die allmählich eingesammelten Oliven angebaut sind. Diesehaben in ihrer Wölbung von aussen zugängliche Löcher, durch welchedie Oliven eingeschüttet werden.... In den Tafonas mittlerer Grösse hatman zwei Greners, in grösseren mehr, so zählt man in Massanella vierGreners. Unsere Abbildung stellt das Innere einer Tafona dar. Was zuerstunsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist das eigentliche Mahlwerk( EsTruy), das zum Zerquetschen der Oliven dient. Es liegt an dem einen Endeder Tafona, häufig in einer abgesonderten Abtheilung derselben. Zuerst8 Vgl. Carnevali, Barbara: La raccolta di tavole dell'Encyclopédie: Storia e ideo-logia. In: Diderot e d'Alembert Encyclopédie Tutte le tavole. Vol. I, Arti emestieri. Milano 2002, S. XIX.

9 Ludwig Salvators Urgroßvater, Großherzog Pietro Leopoldo in Toscana( derspätere Kaiser Leopold II.), gestattete nicht nur die Herausgabe der drittenAuflage der Encyclopédie in Livorno( 1770-1780), er förderte sie auch durchfinanzielle Unterstützung. Zum Dank wurde ihm diese Ausgabe gewidmet. Vgl.Wandruszka, Adam: Leopold II. Erzherzog von Österreich. Großherzog vonToskana. König von Ungarn und Böhmen. Römischer Kaiser. Band I 1780-1792.Wien- München 1965, S. 280 f.