Aufsatz in einer Zeitschrift 
Sammlung verpflichtet : wie das Wiener Museum für Angewandte Kunst 1993 sein Depot neu zur Geltung brachte
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXX/ 119, 2016, Heft 1+ 2

die Werke der vermeintlich» primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven« Naturvölker Glossar ::: zum Glossareintrag  Naturvölker im Südpazifik alsAnleitung zu einfachen, unverfälschten Formen rezipierten und in derdie Völker- und Volkskundler die Indigenen der Südsee und die heimi-schen Bauern studierten, um in diesen wie sie glaubten von der Zivi-lisation noch unverdorbenen Gruppen die» ursprünglichen«< Denk- undVerhaltensweisen, Formen und Gebärden der Menschen zu finden. Die-ser>> Primitivismus« suchte im Urzeitlichen und vermeintlich Unzivili-sierten nach den Ur- und Erstformen volkstümlicher Darstellungs- undVerhaltensweisen und hatte eine evolutionäre Zielrichtung: Die gegen-wärtige, eigene( in der Regel bürgerliche) Kultur stand an der Spitzedes Fortschritts, tat aber gut daran, sich ihrer Anfänge zu erinnern, umAuswüchse zu korrigieren und sich von der Vergangenheit inspirierenzu lassen. Allen voran die später so geheißene Volkskunst erlebte zudieser Zeit ihre( kurzfristige) Nobilitierung zur» nationalen Hausindus-trie«, die dem modernen Kunstgewerbe neue» ornamentale und formelleMotive<< liefern sollte. 12

Die Grundordnung der Sammlung des MAK¹³ folgte der Inten-tion der Vorbildsammlung für das Handwerk und Kunstgewerbe, undsie bestimmte auch die öffentlich zugänglichen Ausstellungen( Schau-

11 Bernd Jürgen Warneken: Volkskundliche Kulturwissenschaft als post- primitivis-tisches Fach. In: Kaspar Maase, Bernd Jürgen Warneken( Hg.): Unterwelten derKultur. Themen und Theorien der volkskundlichen Kulturwissenschaft. Köln,Weimar, Wien 2003, S. 119-141. Vgl. zu den Bezügen des Wiener Kunstgewerbe-museums zur österreichischen Volkskunde und zum Primitivismus Reinhard Johler:Alois Riegl, die Volkskunst und die österreichische Volkskunde. Eine Vorgeschichteder Europäischen Ethnologie. In: Peter Noever, Artur Rosenauer, Georg Vasold( Hg.): Alois Riegl revisited. Beiträge zu Werk und Rezeption. Wien 2010, S. 21-28.Vgl. Bernward Deneke: Die Entdeckung der Volkskunst für das Kunstgewerbe.In: Zeitschrift für Volkskunde, 60, 1964, S. 168-201, hier S. 177.

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In Wien oblag es Jacob von Falke, seinerzeit Kustos und später Direktor des Muse-ums, die Museumssammlungen nach dem Vorbild des South Kensington Museumsin London- das Gottfried Semper maßgeblich geprägt hatte- zu gliedern. VonFalke führte eine Systematik mit 24 nach Material und» Technik«<( d.h. Verarbei-tung des Materials) organisierten Klassen ein( mit einzelnen Ausnahmen):» I. DasGeflecht, II. Specielle textile Kunst und ihre Nachbildungen, III. Lackirarbeiten, IV.Email, V. Mosaik, VI. Glasmalerei, VII. Malerei, VIII. Schrift, Druck und graphi-sche Kunst, IX. Aeussere Bücherausstattung, X. Lederarbeiten, XI. Glasgefässe undGlasgeräth, XII. Thongefässe, XIII. Arbeiten aus Holz, XIV. Geräte und kleinerePlastik in Horn, Bein, Elfenbein, Wachs u. dgl., XV. Gefässe, Geräth und Sculpturin Marmor, Alabaster und sonstigem Stein, XVI. Kupfer, Messing, Zinn, Zink,