2003, Heft 3
Zur Eröffnung des Volkskundemuseums in Graz
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Ähnlich verhält es sich auch bei den Trachten. Ich plädiere übrigensfür den Vorschlag des inzwischen verstorbenen Franz C. Lipp, dieTracht wie die Einheimischen es tun, G'wand zu nennen. Das nimmtder Sache ein wenig von der dem G'wand als Tracht aufgesetztenWeltanschauung und führt sie wieder dem alltäglichen Gebrauch zu.Denn ein G'wand zieht man an, sobald man aus dem Bett steigt.
Da ich aus einer Gegend stamme, die als Trachten- und Brauch-tumsinsel Glossar ::: zum Glossareintrag tumsinsel ebenso berühmt wie berüchtigt ist, bin ich zeitlebens mitdem Thema Tracht konfrontiert gewesen. Und es ist tatsächlich so,daẞ all die Wiener- und Grazerseer, wie die Dauerurlauber genanntwerden, die sich vor allem beim Altausseer Kirtag trachtig heraus-putzen, nicht immer nur die Kleidsamkeit im Sinn haben, wohingegenviele Einheimische und Zweiheimische einfach ihren Kittl oder ihrG'wand anziehen, weil sie damit in dieser Gegend immer richtigangezogen sind.
Daẞ Dirndl, Lederhose und Gamslrock gerade im Ausseerland alsFesttags- aber auch als Alltagskleidung so hartnäckig überlebt haben,ist nicht nur auf das Konto von Ausseer Traditionalisten gutzuschrei-ben( auch wenn ich Großmütter kenne, die das Taschengeld ihrerEnkel erhöhen, wenn die ihr Steirerg'wand tragen), sondern nicht zuletztauf das des G'wand tragenden Adels und- seit der Jahrhundertwende-auch auf das wohlhabender jüdischer Sommergäste, die sich ebenfallsein Ausseer G'wand schneidern ließen und es mit Begeisterung trugen.Manche von ihnen sogar noch nach dem Zweiten Weltkrieg und aus derÜberzeugung heraus, daß man sich von den Nazis nicht auch das nochnehmen lassen dürfe. Ich erinnere mich noch gut an die Schrankkofferder 1938 aus Österreich vertriebenen Familie Stein, von da an wohnhaftin Boston, die ihr Sommerg'wand auf dem Dachboden im Hotel meinesOnkels überwinterte. Und gerade weil der Adel und die jüdischenSommergäste dieses G'wand so schätzten, stieg es wohl auch nachhal-tig in der Wertschätzung der Einheimischen.
Aber auch beim G'wand gilt, daß es die Tracht aller Trachten nichtgibt. Selbst die Aufstellung der originalen 42 Figurinen in den vonGeramb so bezeichneten Urtrachten, die als Beweis für eine Art vonRegelhaftigkeit gesammelt wurden, bestehen aus einer Anzahl vonVarianten, die sich in einen Rahmen fügten, der jedoch genügendSpielraum für die verschiedensten Ausformungen ließ.
Schon ein Blick in die Bücher von Andrian, Mautner, Lipp usw.zeigt, wie wenig sakrosankt Schnitte und Stoffe, von der Länge der