Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde106 (2003) / N.S. 57Frischmuth, Barbara: Zur Eröffnung des Volkskundemuseums in Graz

  
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Zur Eröffnung des Volkskundemuseums in Graz
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Barbara Frischmuth

ÖZV LVII/ 106

Was aber bedeutet diese Alltagskultur, auf die sich auch das wie-dereröffnete Museum beruft und die einerseits analysiert und ande-rerseits den Menschen nahegebracht werden soll. Ich glaube, dieFormulierung von Clifford Geertz in seinem Buch' Dichte Beschrei-bung' ist einigermaßen hilfreich. Ich zitiere: ,, Als ineinandergreifen-de Systeme auslegbarer Zeichen ist Kultur keine Instanz, dergesellschaftliche Ereignisse, Verhaltensweisen, Institutionen oderProzesse kausal zugeordnet werden könnten. Sie ist ein Kontext, einRahmen, in dem sie verständlich nämlich dicht beschreibbarsind.

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Auch die Alltagskultur ist solch ein Kontext, und in diesem Rah-men sollen die Schauobjekte dieses Museums ihre Geschichten er-zählen, Geschichten, aus denen Traditionen erstehen, die wiederummit unserer steirischen, österreichischen, mitteleuropäischen und all-gemein menschlichen Erkennbarkeit zu tun haben. So viel zur Lücke,die ohne das Museum denn doch spürbar ist.

Dabei kann es sich natürlich nicht mehr um die heiligen Quellenheimatlichen Wesens und den Schutz des Volkstums, auch nicht umBodenständigkeit, die echt und nicht durch fremde Einflüsse entartetist, handeln, wie Viktor von Geramb, der Begründer dieses Museumsin seinem 1948 in dritter Auflage neu betitelten Werk, Sitte undBrauch in Österreich( vormals, Deutsches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum in Österreich')es noch formulierte, sondern es ist diesem heutigen Museum um einelebendige und kritische Auseinandersetzung mit historischen undzeitgenössischen Phänomenen der Alltagskultur zu tun. Die Neu-aufstellung der Sammlung geht vom sozialen und kulturellen Bezie-hungsgefüge zwischen den Menschen und den von ihnen hinterlasse-nen Objekten aus und konzentriert sich dabei auf die zentralenLebensbereiche Wohnen, Kleiden, Brauch und Glaube. Im Hinter-grund steht dabei die Metapher vom äußeren und inneren Schutz, dereinerseits vom Bauwerk, vom Haus, aber auch von der Kleidung undandererseits vom Ritus, von Brauch und Glauben gewährt wird.

Nach ganz ähnlichen Gesichtspunkten hat Ferdinand von Andrianbereits im Jahr 1905 in seinem von mir sehr geschätzten und öfter zuRecherchezwecken herangezogenen Werk, Die Altausseer. Ein Bei-trag zur Volkskunde des Salzkammergutes', sein Material geordnet,von den verschiedenen Haus-, Kuchl-, Stadl- und Almhüttenformenüber die Tracht hin zu Brauch und Glauben, bzw. Aberglauben. In derSprache wesentlich moderner, will sagen heutiger, als Viktor von