Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
Seite
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ÖZV LVII/ 106

Fundus einer saisonalen und regionalen Küche aus biologischer Landwirt-schaft. Ihr Buch- editorisch betreut von ihrer Nichte Maria Brunner- istweder eine wissenschaftliches Werk noch ein Kochbuch im Sinne einerbloßen Rezeptsammlung.

,, Nimm an Löffl und iss mit" solcherart die vergangene bäuerlicheKommensalität im Titel idealisierend- verdankt seine Qualitäten der Ver-bindung von privater Geschichte in Erinnerungen und einer detailliertenSchilderung der alltäglichen Nahrungsgewohnheiten am Ende der bäuerli-chen Selbstversorgung. In Kapiteln von meist mehreren knappen und episo-denhaft erzählten Texten behandelt sie dabei etwa die Rolle von Brot,Fleisch und Milchprodukten, von fleischlosen Zuspeisen, Getränken undBackwerk im Gesamtkontext häuslicher Wirtschaft- von Fragen des An-baus über die Zubereitung bis zu den kulturellen Ordnungen um Essen undTrinken im Alltag. Was dabei das Buch besonders auszeichnet und zu einernoch dazu angenehm zu lesenden Quelle für eine kulturwissenschaftlicheNahrungsforschung macht, ist der bei aller persönlichen Färbung unpräten-tiöse Ton, mit dem über Vergangenes, über erlebte Veränderungen, aber auchüber aktuelle Vergegenwärtigungen in Erinnerungen und Küchenpraktikenberichtet wird.

Man würde sich mehr derartige Bücher zu regionalen Nahrungskulturendes 20. Jahrhunderts wünschen, die nicht nur aus bereits Veröffentlichtemschöpfen, sondern als Memorate zu historisieren helfen, was anderswo alshistorisches Erbe undifferenziert stilisiert wird. Dass das mit historischenFamilienbildern und rezenten Fotografien illustrierte Büchlein auch nochgut zu benutzen ist, sei schließlich angemerkt: denn der Anhang bringt nebeneiner kleinen Auswahl von Rezepten aus der Küche von Johanna ReinischsMutter( von Bandnudeln über Schloatkrapfen bis zu Zaunbändernudeln)auch noch Glossare und ein Stichwortregister.( BT)

KOESLING, Volker: Vom Feuerstein zum Bakelit. Historische Werkstoffeverstehen(= AdR- Schriftenreihe zur Restaurierung und Grabungstechnik,Bd. 5/6). Stuttgart, Konrad Theiss Verlag, o. J., 270 Seiten, 167 Abb., 34 Tab.

Volker Koesling( Leiter des Restaurierungslabors am Deutschen Technik-museum Berlin) legt mit diesem Werk ein sehr nützliches Handbuch für alljene vor, die sich mit Sachkultur beschäftigen und etwa im Rahmen vonMuseums- oder Ausstellungsarbeit- nach einer Orientierungshilfe suchen,wenn es um die historische Kontextualisierung von Materialien und Werk-stoffen, deren Bestimmung oder deren Konservierung geht. Die Einführung