Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
Seite
243
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2003, Heft 2

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MERKLE, Heidrun: Tafelfreuden. Eine Geschichte des Genießens. Düs-seldorf/ Zürich, Artemis und Winkler, 2001, 235 Seiten, s/ w- und Farbabb.Heidrun Merkle( Betriebswirtin und Pädagogin) bietet mit ihrer Geschichtedes Genießens einen Querschnitt durch die Kulturgeschichte des Mahls,wobei sich die- keine lückenlose Chronologie anstrebende- Darstellungvon den archaischen Mahlzeiten der Odyssee über die römische Antike unddas Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert erstreckt. Im Unterschied zu vielenanderen eher populärwissenschaftlich ausgerichteten Autoren und Autorinnenvon kulinarischen Kulturgeschichten arbeitet sich Merkle entlang von zu Be-ginn formulierten Fragestellungen durch ihr Material( vor allem literarischeTexte und Sekundärliteratur zur Geschichte des Essens). Ihre leitenden Gedan-ken beziehen sich auf das Riechen, Schmecken und Tasten und deren ver-nachlässigte Bedeutung für die Ästhetik. Merkle plädiert für eine stärkereWürdigung der niederen, körpernahen Sinne in ästhetischen Fragen undversucht, solche Aspekte in ihren Ausflügen in die Geschichte der Tafelfreudenaufzuspüren. Station macht sie dabei im archaischen Griechenland und unter-sucht die Hohe Schule der Gastfreundschaft, anschließend die Kunst desTrinkens beim griechischen Symposion. Dekadentes Speisen in römischer Zeitbeim Gastmahl des Trimalcho steht als nächstes auf dem Programm, dann dieTafelfreuden im Mittelalter, bei denen sie sich u.a. Herrenspeisen und Bauern-speisen, den Gewürzen, den üppigen Speisefolgen und den Tischzuchten wid-met. Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit der Verfeinerung der Bräuche inder Renaissance, im speziellen mit der Einführung der Gabel, der Reinlichkeitbei Tisch oder dem Ritual des Vorkostens. Das letzte Kapitel behandelt diegroßbürgerliche Tafel im 19. Jahrhundert. Hier geht es u.a. um die Gastrosophie,um Geschmack und Sprache, das richtige Schmecken, um Geschäftsessen undum verschiedene Elemente der Tafelkultur wie das Servieren, die Menü- undSpeisekarten oder den gedeckten Tisch.( SB)

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Ver-

REINISCH, Johanna: Nimm an Löffl und iss mit. Bäuerliche Kostgessene Gerichte. Mit Rezepten. Wien/ Köln/ Weimar, Böhlau Verlag, 2002,252 Seiten, zahlr. Farb- und s/ w- Abb.

Johanna Reinisch ist heute eine erfolgreiche Hüttenwirtin von 60 Jahren.Aufgewachsen als jüngstes von acht Kindern auf einem Bergbauernhof inTrahütten( Weststeiermark), macht sie dabei ihre eigene Kindheit zum