2003, Heft 2
Metamorphosen einer Kulturlandschaft
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In Anlehnung an Häußermann/ Siebel wird hypothetisch für dieCharakterisierung der Randgebiete Wiens davon ausgegangen, daßeine ,, handhabbare Definition“ schwierig ist, da die hier ablaufendenProzesse widersprüchlich und widerständig sind, weil sie das Produktgesellschaftlicher Prozesse und sozialer Bewegungen in einem be-stimmten Raum und einer bestimmten Zeit sind, die ihre eigenenGesetzmäßigkeiten besitzen. Es ist weiters zu berücksichtigen, daßdas Umland von Wien keine wirtschaftliche, politische, soziale undkulturelle Einheit darstellt, sondern es gerade umgekehrt ist. Auch dasStadtumland hat sich ausdifferenziert, es entstehen viele lokale Le-bensräume und Lebenswelten, die nebeneinander aber nicht mitein-ander existieren. Dabei sind auch die Entwicklungen innerhalb einerStadtregion von unterschiedlicher Intensität und Qualität. Die Rand-gebiete zeichnen sich durch eine Vielschichtigkeit und Gegensätz-lichkeit, durch ein gewisses Chaos und durch die Vermischung ver-schiedenster Funktionen sowie des Traditionellen und des Innovati-ven aus. Diese Attribute sind im Fall der optisch und ästhetischerfaẞbaren Phänomene, wie der Kulturlandschaft und des Wohnbaus,besonders auffallend. Für die Bau- und Wohnformen ist typisch, daßsich hier städtische und ländliche Formen vermischen.
1.2 Forschungsstand
Für die Wahrnehmung der Randgebiete war charakteristisch, daß dasStadtumland als ein vom Stadtkern abhängiger Raumkörper angese-hen wurde. Das Umland als ein Anhängsel der Stadt, ein Ausweichortfür Industrie, Handel und Wohnen, ein Freizeit- Ausweichquartier fürdie geplagten Städter. Dieser Raum hat aber auch gleichzeitig vondieser Nähe profitiert, sei es als Zulieferer von Lebensmitteln undfrischem Gemüse in die Stadt, durch die Entstehung neuer Arbeits-plätze, durch den lukrativen Verkauf von Grundstücken oder durcheinen sozioökonomischen Aufstieg.
Die einseitige Perspektive aus der Sicht der Stadt prägte auch dasBild der Wissenschaft. Die Forschungsansätze hießen dann Stadt-Land- Gegensatz( Dichothomie) und später Stadt- Land- Kontinuum.
6 Häußermann, H., W. Siebel: Urbanität(= Beiträge zur Stadtforschung, Stadtent-wicklung und Stadtgestaltung, 38). Hg. vom Magistrat der Stadt Wien, MA 18.Wien 1992, S. 105.