Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LVII/ 106, Wien 2003, 165–184
Metamorphosen einer Kulturlandschaft
Bau- und Wohnformen im südlichen Umland von Wien
Vera Mayer
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Der Großraum Wien war in den vergangenen Jahrzehntendurch einen bedeutenden Strukturwandel im Stadt- Land- Ver-bund gekennzeichnet. Die Suburbanisierung- d.h. räumlicheVerlagerungsprozesse städtischer Funktionen aus dem Stadt-kern an den Stadtrand gehörte dabei zu den prägendenStadtentwicklungstendenzen. Weitere Begriffe wie Ballungs-gebiet, Peripherie, periurbaner Raum, Zwischenstadt u.a. cha-rakterisieren die neuen funktionalen und physiognomischenRaumeinheiten. Der Beitrag referiert über Begriffsbestim-mungen und Untersuchungsstand der Stadtentwicklungsfor-schung, um sich dann im Detail mit dem südlichen Umlandvon Wien zu beschäftigen. Der Einfluß neuer Lebensstile,Wohnansprüche und demographischer Entwicklungen findetebenso Berücksichtigung wie die wechselnden architektoni-schen Konzepte.
1. Einführung
Der Strukturwandel im Stadt- Land- Verbund ist im Großraum Wiendurch die Prozesse der Gentrification und Suburbanisierung gekenn-zeichnet. Räumliche Verlagerungsprozesse städtischer Funktionenaus dem Stadtkern an den Stadtrand- Suburbanisierung- gehörendabei zu den wichtigsten Stadtentwicklungstendenzen der Nach-kriegszeit in den meisten amerikanischen und europäischen Metro-polen. Die räumlichen, baulichen, demographischen und wirtschaft-lichen Entwicklungen in den Randzonen der Stadt sind dabei imZusammenhang mit denen in der Kernstadt zu verstehen. So deutetder Vergleich der Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Wien und imWiener Umland auf die seit den sechziger Jahren starke Suburbanisie-rungstendenzen hin. Während die Bevölkerungszahl im Wiener Um-land seit den sechziger Jahren kontinuierlich angestiegen ist( zwi-