32 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVIII/ 117, 2014, Heft 1+ 2
>> Volksvergnügen<< leitet er ein mit dem programmatischen Satz:>> Hiersoll nur Erwähnung finden, was von alter städtischer und bäuerlicherArt ist.<<
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Zwar benennt Schmidt auch Angebote der» Vergnügungsindust-rie«<,>> pseudogefährliche«<» technische Belustigungen«<,>> Freudenräder<<und>> reine Pikanterien wie Guckkastenbilder« als Elemente, die wichtigseien, um»> den Geist des Großstadtvolkes zu erfassen« 9- aber er ver-folgt diesen Zusammenhang dann eben doch nicht. Der Spielfilm wirdim Anschluss an Spamer als» großstädtisches Märchen« ins Korsett desKanons gepresst, auch der» Frauenroman«< à la Marlitt und Courths-Mahler wird als>> mehr märchenhafter Art« 10 eingemeindet. Die viel gele-senen zeitgenössischen Heftromanreihen wiederum sind kein Thema.
Das ist dann auch schon fast alles zur modernen Populärkultur. Esgibt noch einen symptomatischen kurzen Abschnitt zum Fußball alsSchausport. Wieder findet sich die Mischung aus empirischer Offenheitoder gar Pflicht zur Wahrnehmung, gehemmt durch Vermeidungsver-halten und spürbares Unwohlsein gegenüber jenen Erscheinungen desVolkslebens, die bei genauerer Betrachtung mit dem Bild des gesunden,traditionsorientierten Stadtvolks nicht vereinbar wären.»> Die WienerFußballer sind charakteristischerweise auch durchwegs der Arbeiter-schaft entwachsen. Sie sind echte Exponenten jener Schichte[ sic] dervorstädtischen Jugend, welche durch den häufigen Kinobesuch und dasTragen modischester Kleidung ständig auffallen.«" Klappe zu, Schnittzum herkömmlichen Kraftsport.
Beim Lesen dieser Passagen konnte sich der Autor des Eindrucksnicht erwehren, Schmidt stoße hier ständig an die Grenzen dessen, wasin der damaligen deutschen und österreichischen Volkskunde sagbar war,wollte man sich nicht aus dem Fach herauskatapultieren – und hoffe aufLeser, die den Hinweisen auf die wichtigen( 1940 nicht mehr ganz neuen)Wirklichkeiten der populären Unterhaltung und Vergnügung( nicht nurin der Großstadt!) ohne Scheuklappen nachgehen würden. Wie Schmidtselbst mit dieser punktuellen Öffnung aus dem volkskundlichen Main-stream herausragt, zeigt ein Blick in Hans Commendas zweibändige
Schmidt 1940( wie Anm. 7), S. 86.
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9
Ebd., S. 89, 90.
10
Ebd., S. 109.
11
Ebd., S. 112.