Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde117 (2014) / N.S. 68Maase, Kaspar: »Lebensneugier« und die »magische Kraft« der Kunst

  
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»Lebensneugier« und die »magische Kraft« der Kunst : Anmerkungen zur Populärkulturforschung in der Volkskunde und Post-Volkskunde
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Kaspar Maase,» Lebensneugier<< und die» magische Kraft«< der Kunst

sich über die Zeit und sind bisher nicht annähernd systematisch unter-sucht. Größtes Hemmnis war vermutlich eine Idee, die selbst nach ihrergrundlegenden Kritik durch Wolfgang Emmerich und andere das Fachweiter beeinflusst hat- die Idee von Volkstum und Volkskultur als Phä-nomenen wesentlich vormodernen, vorindustriellen Charakters. For-schungsschwerpunkte und habitualisierte Denkstile, die bis zur Mittedes 20. Jahrhunderts etabliert waren, haben auch gegenüber der 1969/70verkündeten» Kritik des Kanons« 5 eine unübersehbare Beharrungskraftgezeigt.

Die Kraft des Volkstumsparadigmas zeigt sich nach meinem Ein-druck gerade in einem der avancierten Forschungsbereiche des Faches,in der Großstadtvolkskunde seit den 1930ern. Auch beim Blick auf dieurbane Lebensweise von Teilen des Volkes geriet deren Unterhaltungund Vergnügung nur so weit ins Bild, als sie sich( vom Singen bis zurKirmes) auf vorindustrielle Traditionen zurückführen ließ. Das sei hierkurz veranschaulicht an Leopold Schmidts» Wiener Volkskunde«<, die1940 erschien. Schmidt war damals gewiss einer der Fachvertreter mitdem offensten Blick für Veränderungen, die den Kanon und ein rück-wärtsorientiertes Volkstumsverständnis in Frage stellten; er suchtenach» Neuwuchs« in der Volkskultur. Doch die Ausführungen zum

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Trivialliteratur( forschung) hat drei Einträge, Schlager fünf, Unterhaltung einen:einen Text dieses Autors von 1994. Vgl. Helge Gerndt, Klaus Roth unter Mitarbeitvon Irene Götz, Tomislav Helebrant und Katja Mutschelknaus( Hg.): Gesamtre-gister der Zeitschrift für Volkskunde Jahrgang 1-90( 1891-1994). Göttingen 1995.Dass unterhalb dieser selektiven und repräsentativen Ebene Forschung, Lehre undPublikation im gesamten Zeitraum erheblich mehr Populärkulturelles thematisier-ten, steht außer Frage, ist aber noch nicht aufgearbeitet.Stellvertretend sei hier verwiesen auf Wolfgang Emmerich: Germanistische Volks-tumsideologie. Genese und Kritik der Volksforschung im Dritten Reich. Tübingen1968; Ders. Zur Kritik der Volkstumsideologie. Frankfurt a. M. 1971.

Vgl. Martin Scharfe: Kritik des Kanons. In: Abschied vom Volksleben. Tübingen1970, S. 74-84.

Vgl. zum Folgenden den Überblick bei Thomas Hengartner: Forschungsfeld Stadt.Zur Geschichte der volkskundlichen Erforschung städtischer Lebensformen. Ber-lin, Hamburg 1999, insbes. S. 69–127. Bilanzierend spricht Hengartner von einemFachverständnis,» das urbane> Massenkultur der eigentlichen Volkskultur entge-gensetzt und als traditionslos aus dem Gegenstandsbereich der Volkskunde weitge-hend ausgrenzt«<( S. 128).

Leopold Schmidt: Wiener Volkskunde. Ein Aufriss. Wien 1940, S. 13. Ausführli-cher dazu Hengartner 1999( wie Anm. 6), S. 78-85.

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