Aufsatz in einer Zeitschrift 
Ein Wiener Bildstock – revisited
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Herbert Nikitsch, Ein Wiener Bildstock- revisited

>> Heiligen Müll«< gesprochen und darauf hingewiesen, dass» der Müll, derAbfall, das Abgetragene, Abgenützte den Charakter des Schäbigen undNutzlosen durch Verwendung in der heiligen Handlung verliert und dassdas vermeintlich Wertlose sich im heiligen Ritus zwar nicht in Gold, dochin heiligen Stoff verwandelt.«< 14 Wer freilich und mit welcher Intentionzu solcher> Verwandlung beigetragen hat, und damit auch über die Glau-benshaltung, die hinter dieser Gestaltung und Einrichtung des Bildstocksgestanden sein mag darüber können wir nur Vermutungen anstellen.Und das gilt auch für das religiöse Wissen, das hier möglicherweise seinenAusdruck gefunden hat, also die» intellektuelle Dimension<< solcher Glau-benshaltung, um einen Ausdruck des amerikanischen Soziologen CharlesGlock aus dessen nach wie vor berücksichtigenswertem frühen Versucheiner multidimensionalen Definition von Religiosität zu verwenden. 15

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Wird solche Kompetenz etwa durch die kleine Madonnenstatue sig-nalisiert, die die spätere Vernachlässigung des Bildstocks überdauert hat?Es handelt sich dabei( Abb. 4) um die figurale Abbildung der mit ausge-breiteten Händen auf der Erdkugel stehenden Immaculata, die auf diePrivatoffenbarung der Katherina Labouré anno 1830 zurückgeht, jenerspäter heiliggesprochenen Ordensfrau, die von ihrer Marienerscheinung,so die Legende, den Auftrag zur Herstellung der sogenannten» Wunder-tätigen Medaille« erhielt. Wenige Jahrzehnte später kirchenbehördlicher-seits genehmigt, ist diese Wundertätige Medaille heute eine der häufigs-ten Devotionalien, an fast jedem Schriftenstand in den Kirchen( übrigensmanchmal auch» geweiht«<) erhältlich und, wie nicht verwunderlich, istdie figurale Darstellung» unserer Lieben Frau von der WundertätigenMedaille<< auch im Internet stark präsent und wird auf dem Marktplatzder» Cyber Religion« 16 feilgeboten. Bei diesem Massenerzeugnis eines

14 Scharfe 2004( wie Anm. 12).

15 Charles Y. Glock: Über die Dimensionen der Religiosität( 1954). In Joachim Mat-thes: Kirche und Gesellschaft. Einführung in die Religionssoziologie II. Reinbek beiHamburg 1969, S. 150-168, S. 163. Glocks Ansatz wurde im Weiteren vor allem vonUrsula Boos- Nünning( Dimensionen der Religiosität. Zur Operationalisierung undMessung religiöser Einstellungen. München 1972) modifiziert und erweitert.Auf dem man im Übrigen alles angeboten bekommt, was man auch sonst direkt ineiner Kirche erhalten bzw. machen kann, etwa in virtuellen Gebetskapellen oderFürbittbüchern Gebetsanliegen aufgeben etc.; allgemein dazu etwa Lorne L. Daw-son, Douglas E. Cowan( Ed.): Religion online. Finding Faith on the Internet. NewYork, London 2004.

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