Ein Wiener Bildstock- revisited
Herbert Nikitsch
Im Folgenden teile ich einige Beobachtungen zu einem Gegenstand mit,dem in volkskundlicher Beschäftigung mit religionsorientiertem Han-deln( gewöhnlich in terminologischer Nachlässigkeit als» Volksfrömmig-keit«< bezeichnet) recht viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wordenist: zu jenen religiösen Kleindenkmälern, die je nach Aussehen hierzu-lande Bildstock, Marterl, Wegstock oder Wegkreuz genannt werden.Diesen kulturgeschichtlich oft bedeutenden Objekten widmet sich eine>> Flurdenkmalforschung«', die sie penibel verzeichnet und verzetteltallerdings in ihrem Interesse an diesen( unterschiedlichen Anlässen wieVotiv, individueller Erinnerung, Wallfahrt etc. sich verdankenden) Signa-turen katholisch geprägter Sakrallandschaften vor allem auf deren typo-logische Kartierung² und topographische Aufzeichnung konzentriertist und darüber ihre Transformationen, ihren Funktionswandel kaumbeachtet. Letzteres ist verwunderlich, denn ein solcher Funktionswan-del, eine solche Aneignung, auch Verfremdung und Umwidmung und
1 Auch im Rahmen des» Vereins für Volkskunde<< hat ab 1972 bis in die späteren1980er Jahre unter der Leitung von Emil Schneeweis( 1970-1976 Bibliothekar imÖsterreichischen Museum für Volkskunde) eine» Arbeitsgemeinschaft für Bild-stock- und Flurdenkmalforschung« existiert. Siehe dazu Emil Schneeweis: Bildstö-cke in Niederösterreich. Wien 1981; Klaus Beitl: Nachruf auf Emil Schneeweis*.In: ÖZV 93/44, 1990, S. 80 f.
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Ein prominentes Beispiel ist das Werk Franz Hulas, eines Wiener Bankdirektors,dem die österreichische Flurdenkmalforschung einen der ersten Versuche einertypologischen Systematik verdankt, s. Franz Hula: Die Totenleuchten und Bild-stöcke Österreichs. Wien 1948; Emil Schneeweis: In memoriam Franz Hula. In:ÖZV 77/28, 1974, S. 227 f. Diese Systematik ist etwa auch in die heutige Klein- undFlurdenkmaldatenbank Niederösterreichs eingegangen- abrufbar auf der Home-page des NÖ Bildungs- und Heimatwerkes, in dem es auch einen» FachbereichKlein- und Flurdenkmäler« gibt( http://www.bhw-n.eu und http: //www.marterl.at, Zugriff: 15.5.2015).