Aufsatz in einer Zeitschrift 
»Böhmischer Zirkel« : Anmerkungen zur Karriere einer Bildchiffre aus der Wiener Gaunersprache
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46 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIX/ 118, 2015, Heft 1+ 2

die wiederum in das Streben nach größeren Entfaltungsmöglichkeiten inallen Bereichen des öffentlichen Lebens einmündeten.4 Da letztendlichganz Zisleithanien von dieser Entwicklung betroffen war, kann es nichtverwundern, dass deutschnationale Kreise inner- und außerhalb der böh-mischen Länder in höchste Alarmbereitschaft versetzt waren und nach-haltig vor>> tschechischen Raubzügen« gegenüber» deutschen Besitzstän-den« warnten.

Die Bildschiffre des» böhmischen Zirkels«< eignete sich in hervorra-gender Weise, solche Unterstellungen, Verdächtigungen und Überfrem-dungsängste optisch auf den Punkt zu bringen. Deutschböhmische undösterreichische Karikaturen aus den letzten Jahrzehnten der Habsbur-germonarchie belegen diesen Sachverhalt. Stellvertretend sollen hier vierBeispiele aus dem bildpublizistischen Repertoire der politischen Post-karten vor 1914 wiedergegeben und erörtert werden. Das erste Bildbei-spiel stammt aus dem zeitlichen Umfeld der turbulenten Badeni- Krisevon 1897/985 und war in der von Deutschen und Slowenen umkämpftenStadt Cilli erschienen und im steierischen Graz vermutlich von Ver-bindungsstudenten- verschickt worden. Damals war es in Prag, Taborund anderen böhmischen Städten zu heftigen tschechischen Protestakti-onen gegen die deutsche und die jüdische Bevölkerung gekommen, dieteilweise auch in Plünderungen ausarteten, was wiederum von der deut-schen Öffentlichkeit in ganz Zisleithanien mit Gegendemonstrationenbeantwortet wurde. Auf der hier abgebildeten Spottkarte( Abb. 1) sindzwei tschechische Ganoven mit Schiebermützen und primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiv dreistenGesichtszügen dargestellt, von denen einer einen Prügel mit der Auf-schrift»> Plünderung«<, der andere einen» böhmischen Zirkel«< in der Handhält. In Abwandlung des viel zitierten Bismarckausspruchs:» Wir Deut-schen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt!<< wird den Tschechenpauschal folgender Wahlspruch in den Mund gelegt:» Wir Tschechenfürchten uns vor nix[ im Sinne von: Wir schrecken vor nichts zurück,Anm. Verf.]! Sonst Alles in der Welt!<< Drastischer konnte die assoziative

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Vgl. in diesem Zusammenhang Kristina Kaiserová, Jiří Rak( Hg.): Nacionalizacespolečnosti v Čechách 1848-1914. Ústí nad Labem 2008; Jiří Kořalka: Aufstieg dertschechischen bürgerlichen Gesellschaft. In: Ders.: Tschechen im Habsburgerreichund in Europa 1815-1914. München, Wien 1991, S. 76–125.