Johann Knobloch, Sprache und Religion. Band III: Weihnachten und Ostern.Heidelberg, Carl Winter, 1986, 77 Seiten.
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Wie schon die beiden vorangegangenen Bändchen des Bonner Slawisten enthältauch dieses eine Fülle von gescheiten Fragen und Antworten nicht nur zu Begriffenund ihrer religiösen oder volkstümlichen Herkunft, vielmehr wird in knappen Zügenmanches aufgearbeitet, was zu den Festen Weihnachten und Ostern gehört. DasSchwergewicht liegt dabei im mitteleuropäischen Raum sei es, daß es umsAnklöpfln, ums Frautragen( im Salzburgischen), ums Julbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Julbrauchtum etc. geht, sei es,daß die Percht und die Befana untersucht wird- und die peripheren Landschaftenkommen weniger zur Sprache. Knobloch teilt dabei interessante Beobachtungenmit, wie etwa„ Aus Festtagsnamen abgeleitete Wassernymphen".
Viele Probleme schneidet der Autor nur kurz an, doch helfen allein schon beiWeihnachten 150 Fußnoten mit Angaben wichtiger Literatur weiter, und die knappeFassung des Bändchens erleichtert eine rasche Information. Seine sprachlichen Ana-lysen sind überzeugend und gut fundiert, nicht ganz geklärt scheint mir die Frage derDatierung. Das gilt insbesondere für Weihnachten, das im Bereich des Antiocheni-schen und insbesondere des Chaldäischen Ritus bis ins 7. Jahrhundert in der Nachtvom 3. auf den 4. Oktober gefeiert wurde und nach Mitteilung von Bischof Grego-rios I. in manchen Gemeinden noch heute als„ 1. Weihnachtsfest" begangen wird.Für Europa hingegen hat die römische Datierung des 24./25. Dezember ausschließli-che Bedeutung erlangt. Freilich hat sich das 354 eingeführte Datum erst allmählichdurchgesetzt.
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Ostern ein heidnisches Glossar ::: zum Glossareintrag heidnisches Frühlingsfest?“ überschreibt der Autor den zweitenTeil seiner Untersuchungen, die mit einer Betrachtung von Osterhase, Ostereier undOsterfeuer ausklingen. Stärker als im 1. Teil werden hier die Akzente aus dem Erfah-rungsbereich Knoblochs subjektiv gesetzt. Doch bietet auch hier die Fülle von Quel-lenangaben ein Ausweiten des Studiums zu allem, was mit Ostern zusammen-hängt, an.
Knobloch verweist unter vielen anderen Beobachtungen auf die Benennung desOsterfeuers als„ Petersfeuer“( S. 77) unter Bezug auf die Episode, welche im NeuenTestament über das Hinzutreten des Apostels Petrus zum Feuer der Kriegsknechtenach der Verhaftung Jesu beschrieben ist. Auf die gleiche Szene bezieht sich vermut-lich die rumänische Bezeichnung„ foc cocoşului“( Feuer des Hahnes), in der man zuUnrecht eine persische Provenienz hat sehen wollen.
Zur Veröffentlichung von Knobloch muß man sich freilich erst einen Index erar-beiten, um das Buch voll auswerten zu können.
Felix Karlinger
Felix Karlinger, Johannes Pögl, Katalanische Märchen(= Märchen der Welt-literatur), München, Diederichs, 1989, 295 Seiten.
Der katalanische Märchenband vermittelt vielfältige Eindrücke und läßt Erzählerzu Wort kommen, deren Spontaneität, zupackender Humor und realistische Wech-selrede schlichtweg mitreißen und einen vergessen machen, daß man nichts weiterals Aufzeichnungen vor sich hat.
In den Anmerkungen ist dann nachzulesen, daß man dem etwa 70jährigen Händ-ler Joan Freixes im September 1969 in Tarragona zugehört hat, Josep Jourdan 1945
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