Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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Róbert Müller, A mezőgazdasági vaseszközök fejlődése Magyaror-szágon a késövaskortól a törökkor végéig( Die Entwicklung der eiser-nen Agrargeräte in Ungarn von der Späteisenzeit bis zum Ende der Türkenherr-schaft). Mit deutscher Zusammenfassung. Bd. I- II. Zalai gyüjtemény( Samm-lung von Zala). Zalaegerszeg, Archiv des Komitats Zala, 1982, 930 Seiten, 2037Abbildungen.

Diese imposante archäologische Arbeit ist auch für ethnographische Forscher derAgrargeräte ein unentbehrliches Nachschlagewerk. Aus der im Titel angeführtenPeriode schildert R. Müller die archäologischen Funde folgender Geräte in Ungarn:Pflugscharen, Seche und andere Pflugteile, Spatenbeschläge, Hacken, Sicheln,Sensen, Dengelambosse, Schilfschneidegeräte, Rodungsmesser, Gabeln, Rechen,Heuziehhaken, Einbrennstempel der Eigentumszeichen, Striegel, Hufeisen u. a. IhrVorkommen, ihre Beziehungen zu den verschiedenen ethnischen Gruppen, ihrErscheinen im Lauf der Geschichte, die Entwicklung der Agrotechnik erläutert ermit einer umsichtigen wirtschaftsgeschichtlichen und volkskundlichen Erklärung.Die über 2000 Abbildungen verdeutlichen dem Leser die zuweilen kompliziertenTerminologien. Die Landwirtschaft der Kelten in Ungarn, betont der Verfasser,wurde bislang von der Forschung überschätzt. Zu ihrer Rodungswirtschaft mußtendie Kelten nicht unbedingt einen Pflug gebrauchen, könnten aber immerhin einenmit schmaler Schar ausgestatteten Hackenpflug gehabt haben. Wesentlich reichhal-tiger sind die Gerätefunde aus der Römerzeit. Die Römer besaßen schon Pflüge, dienicht nur mit Sechen, sondern auch mit Radvorgestellen versehen waren, zudemerschienen auch die Beetpflüge mit Streichbrett. Trotzdem können wir keine aus-führlichen Informationen über die Landwirtschaft der Römer geben, denn es wurdenbisher nur wenige rurale Siedlungen freigelegt. Das pannonische Gerätematerialzeigt gewisse Abweichungen von den römischen Funden aus Westeuropa. Zweifellosgab es in Pannonien eine hochentwickelte Obst- und Weinkultur, zumal die Römersogar die Feigenkultur eingeführt und auf Grund ihrer aus Norditalien mitgebrach-ten Traditionen den Weinbau kultiviert haben.

Der mittelalterliche Weinbau Transdanubiens hat zweifellos römische Wurzeln.In der Völkerwanderungszeit ist eine Rückentwicklung römischer Traditionen zubeobachten, es hörte beispielsweise der Gebrauch des Beetpfluges auf. Von der rela-tiv kurzfristigen Hunnenherrschaft abgesehen, lebten im Karpatenbecken vor demErscheinen der Awaren( 568 n. Chr.) verschiedene germanische Völker. Die Lan-gobarden betrieben vor allem die Viehzucht, bei den Gepiden war der Ackerbaubeachtlich- ein Beweis dafür ist die Einführung eines neuen Sicheltyps. Die Awarenbetrieben auch Ackerbau bei ihren Winterquartieren. Auffallend sind die zahlrei-chen awarischen Sichelfunde. Der Ackerbau der gegen Ende des 9. Jh. erscheinen-den Ungarn war nicht niedrigeren Niveaus als der der hier vorgefundenen slawischenVölker. Bereits seit dem 11.- 13. Jh. benützten sie verschiedene Pflugtypen, und vom13. Jh. an fügte sich die ungarische Landwirtschaft zunehmend in den europäischenEntwicklungstrend ein. Ein Beweis dieses Vorganges ist das Erscheinen der Sense( wobei primitivere Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivere Sensenformen bei den Ungarn schon früher gebräuchlich waren).Seit dem 15. Jh. ist dann die Entwicklung der regionalen Unterschiede zu beobach-

ten.

Es wäre zu langwierig und kompliziert, im Rahmen einer Buchbesprechung dieeinzelnen Ackergeräte ausführlicher beschreiben zu wollen, und so möchte ich

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