Beträchtlich ist indessen auch der substanzielle Zuwachs an Quellenstoff für dieVolkskunde Österreichs. So werden im Artikel„ Dank“( Sp. 577-581) verschiedeneArten und Formen der Dankrede im Hochzeitsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Hochzeitsbrauchtum( an Eltern, Priester u. a.)mit ihren örtlichen Modifikationen und Bezeichnungen nachgewiesen; z. B. wirdaus Rohr im südl. Niederösterreich( zwar als veraltet) berichtet:„,' Nach der Suppe'( am Morgen oder beim Hochzeitsmahl?) dankt man der Braut, indem man mitTüchern, Hüten, Löffeln u. ä. nach ihr wirft; die Braut wirft die Dinge zurück unterdie Gäste"( Sp. 580 f). Und nach dem Art.„, danken", Abs. 3, bedeutet dies vorallem auch, jemanden formell aus dem Dienst entlassen, abweisen, kündigen( Sp. 585). Besonders herauszustellen aber sind dann die von Werner Bauer bearbei-teten materialreichen Artikel„ Tanz“,„ tanzen“,„ Tanzer“ usw. Vor allem die beidenersten sind als umfangreiche monographische Sachdarstellungen zu werten, in dieauch ,, sachliche Kommentare“ eingefügt wurden, um der Fülle an Arten und For-men des Tanzes neben allen sonstigen Wortbedeutungen Herr zu werden. Auffal-lend knapp behandelt erscheint mir dabei das„ Schuhplatteln"( übrigens auch unter„ plätteln“( Band II, S. 305 u. 310)). Hängt dies vielleicht damit zusammen, daßdiese typisch ,, bayerische" und sehr spezielle Form des Geschicklichkeitstanzes fürMännergruppen auch bei uns ungemein populär, aber von den( Volks) Tanzpflegernvor allem in Innerösterreich bewußt abgelehnt wird? Im Übrigen hat der Bearbeiterhier eine klare Übersicht nicht nur zu den speziellen Tanzformen und deren Ausfüh-rungen getroffen, sondern auch die zahlreiche neue Fachliteratur dazu herangezo-gen. Und hier wird schon bei der Lektüre des Artikels„ Tanz“( Sp. 601-714) übermehr als 110 Spalten hinweg mit großer Deutlichkeit gezeigt, welch außergewöhnli-ches soziokulturelles und volkskundliches Phänomen der Tanz als„ elementareLebensäußerung des Menschen“ darstellt. Wie uns die Wortgeschichte und die derSprachentlehnungen, ausgehend von altfranzös. la danse über mhd. tanz bis zu ung.tánc, Serbokroat. tanac, lehren, zeichnet sich in ihm eines der farbigsten und man-nigfaltigsten Kulturgüter der europäischen Völker ab, an dem nicht zuletzt Öster-reich, übrigens auch in dessen Erforschung, einen bedeutenden Anteil hat.
Mit dem erfreulichen Bemühen der Bearbeiter des WBÖ um zeitgemäße Aktua-lität in den angezogenen Quellen ebenso wie in der Sekundärliteratur erhärten sichbeim ernsthaften Benützer desselben zunehmend die Notwendigkeit und derWunsch eines ergänzten und möglichst praktikablen Verzeichnisses der Abkürzun-gen, Quellen und angezogenen Literatur. Die Zwischenlösung mit den Kurzver-zeichnissen auf der Innenseite des hinteren Umschlagdeckels hilft nur wenig undkann eine Neubearbeitung des wiss. Apparates schon angesichts der zahlreicheneingearbeiteten Neuerscheinungen sicher nicht ersetzen.
Ronald Grambo, Folkloristik håndbok. Begreper-Stavanger, Universitetsforlaget, 1985, 195 Seiten.
Oskar Moser
termer. Oslo Bergen
Unter obigem Titel stellte R. Grambo in norwegischer Sprache ein vorzüglichesLexikon zusammen, welches das umfangreiche Gebiet der Folklore schildert. In derReihe der Stichwörter finden sich theoretische Begriffe ebenso wie die Kennzeich-nung der Kategorien, Eigenschaften und Funktionen der in Versen gereimten undprosaischen Gattungen. Mehrere Stichwörter sind den magischen Handlungen, derGlaubenswelt, den verschiedenen guten und bösen Geistern, dem Fruchtbarkeits-zauber und den okkulten Wissenschaften gewidmet. Hier nur einige konkrete Bei-
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