Tagung im nächsten Jahr erwogen wurde. Dazu sollte das Thema Bild keineswegseingegrenzt bleiben auf Film und Fotografie als Träger. Gelänge eine Öffnunggegenüber anderen Disziplinen( z. B. Kunstgeschichte, mittelalterliche Realien-kunde, etc.), gelänge die Zusammenstellung eines multidisziplinären Programmsmit Beiträgen, gestützt auf spezifische Erfahrungen und disziplinär geschulte Sicht-weisen, so wäre dies nicht nur ein mächtiger Impuls zur Fortsetzung dieser Veran-staltung, sondern berechtigte auch zu der Hoffnung, daß die Akzeptanz gegenüberdem Bild als Quelle innerhalb der Sozialwissenschaften breiter geworden wäre.Denn immerhin ist das Sehen der dominierende( und vielleicht auch schon dominier-teste) Sinn in unserer Kultur, so daß die Beschäftigung mit visueller Wahrnehmungund piktoraler Produktion ein sozialwissenschaftliches Anliegen sein müßte.Edith A. Weinlich
Impressionen vom„, Centennial Meeting" der American Folklore Society( AFS)vom 26.- 30. Oktober 1988 in Boston, Massachusetts
,, Impressionen“ scheint die einzig mögliche Bezeichnung für einen Bericht überdas Jahrestreffen der amerikanischen Gesellschaft für Volkskunde zu sein, bedenktman, daß ca. 800 Teilnehmer in meist sieben gleichzeitig stattfindenden Sektionenbei diesem Kongreß anwesend waren.
Für viele mag es erstaunlich sein, daß gerade die amerikanische Volkskundebereits auf eine 100jährige Tradition zurückblicken kann, daß es in einem im Ver-gleich zu Europa verhältnismäßig„ jungen“ Land schon 1888/89 in Cambridge zurInstitutionalisierung unseres Faches kam und zwar auf der Basis vielfältiger For-schungsinteressen. Ende der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts war es Henry RoweSchoolcraft, der sich mit Oraltraditionen der Indianer Glossar ::: zum Glossareintrag Indianer beschäftigte und bereits 1879begann das Smithsonian Institute mit einer relativ systematischen Erforschung dertraditionellen Kultur der nordamerikanischen Indianer Glossar ::: zum Glossareintrag Indianer. Es ist hier nicht der Platz,näher auf die verschiedenen Strömungen und Persönlichkeiten einzugehen, die zurGründung der American Folklore Society geführt bzw. beigetragen haben; einePublikation zu diesem Thema hat die AFS anläßlich des Jubiläumskongresses vorge-legt( William M. Clements[ Hrsg.], 100 Years of American Folklore Studies. Aconceptual history. Washington, D.C., The American Folklore Society, 1988).
Dank der freundlichen Vermittlung von James R. Dow( University of Iowa) undseiner guten Verbindungen mit Österreich und Deutschland- nicht zuletzt als lang-jähriger Mitherausgeber der„ Internationalen volkskundlichen Bibliographie"vertraten Helmut Eberhart( Institut für Volkskunde der Universität Graz) und dieReferentin( Institut für Gegenwartsvolkskunde der österreichischen Akademie derWissenschaften) Österreich und seine volkskundlichen Institutionen mit Referatenzur österreichischen Volkskunde in den 30er Jahren( H. Eberhart) und zur Öster-reichischen Volkskundlichen Bibliographie( E. K.).
Im malerisch am Charles- River liegenden Hyatt- Regency- Hotel in Cambridge( einem Stadtteil von Boston und Gründungsort der AFS) fanden die verschiedenenVorträge und Veranstaltungen statt. Es ist kaum möglich, auf einzelne Vorträgeeinzugehen, da die Auswahl relativ willkürlich stattfinden müßte. Vielmehr möchteich versuchen zu beschreiben, was uns besonders auffiel, welche Eindrücke wir von
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