Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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fremden Sprachen erschienenen Aufsätze in Buchform zusammengesetzt hat alsLese- und Lehrbuch für seine kroatischen Studenten und die gebildeten, an den Fra-gen genuiner Volkskultur interessierten Leser:, Vrela i sudbine narodnih tradicija( Quellen und Schicksale der Volkstraditionen), Zagreb 1978. Dem neuen Brauch-tumsbuch Glossar ::: zum Glossareintrag tumsbuch der Kroaten aller Siedlungsräume zwischen Adria und Bosnien, zwischender Vojvodina, Syrmien( Srem) und dem Burgenlande, sind dankenswerterweise jeeine englische, französische und( sprachlich schrecklich von einem Unbefugten ent-stellte!) deutsche Zusammenfassung( S. 223-246) beigegeben. Dazu auch eineknappe Literaturliste. Die wesentliche Forschung ist bis in unsere achtziger Jahreberücksichtigt.

Leopold Kretzenbacher

Odysseas- Karolos Klimis, Dromena kai ethima tu Kerkyraïku lau( Ritenund Bräuche des Volkes von Korfu). Korfu 1987, 171 Seiten, 40 Abb. auf Taf.Das in wenigen Jahren schon in zweiter Auflage erschienene, um viele Fotografienund Material angereicherte, mit einer Einleitung von Th. Fotiadis versehene klein-formatige Büchlein stellt einen wesentlichen Beitrag zur Volkskunde der Insel Korfudar, nicht so sehr durch seine( methodisch etwas fragwürdigen) Ausgriffe und Ver-gleiche in die Antike als durch seine rezenten Feldforschungsdaten aus der vom Tou-rismus schier überlaufenen Jonischen Hauptinsel. An dem hier ausgebreiteten Mate-rial hauptsächlich aus den Berg- und Binnendörfern der Insel läßt sich der Nachweisführen, daß die Venezianische Herrschaft von Korfu( wie auch das Britische Protek-torat im 19. Jahrhundert) in der Volkskultur wenig greifbare Spuren hinterlassenhat; die zumeist beschriebenen Fastnachts- und Osterbräuche fügen sich bruchlos indas panhellenische Gesamtbild ein( dazu W. Puchner, Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumserscheinungen imgriechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater, Wien 1977); lokal-spezifische Formen sind in der Folge gesondert hervorgehoben.

Nach einem Einleitungskapitel zur politischen und sozialen Geschichte( S. 27-34) folgen etwa 20 kurze Kapitel, deren Gliederungskriterium ein geographi-sches ist: Feldforschungsmaterial( und Fotografien) der letzten Jahre, angereichertmit Ausblicken zu affinen Phänomenen im Altertum und in die einschlägige( reli-gionswissenschaftliche) Literatur( Hieros Gamos, Dionysoskult, Anthesterien,Eleusinische Mysterien usw.). Die karnevaleske Scheinhochzeit wurde bis 1960 inden meisten Dörfern zelebriert: mit Brautpaar, Pseudo- Priester, Mitgift- Besichti-gung, komischem Anhang, Freizügigkeit und Deftigkeit, Satire und Karikatur( besonders aufschlußreich ist hier die fotografische Dokumentation). Die Organisa-tion der Maskenumzüge und Spiele liegt meist in der Hand lokaler Kulturvereine.Auch Scheinpflügungen, Gerichtsspiele, Verbrennungen der Karnevalspuppe u. a.Szenen werden am Käsesonntag abgehalten. Lokalspezifisch scheint die, Vlachen-Kleidung zu sein, Festgekleidete in der balkanischen Hirtentracht, die große Vla-chen- Hölzer halten, die auch latent phallische Bedeutung annehmen können,behängt mit Glocken, die durch die Sprünge der Maskierten zum Läuten gebrachtwerden( zu diesen Glocken- Verkleidungen Puchner, op cit., Index, auch zurBezeichnung kukugeroi, Index). Im Dorf Chlomos kommt es 1. zu einer Hoch-zeitsparodie einer hochgewachsenen Braut mit einem zwergenhaften Bräutigam( dieBraut wie üblich von einem Mann dargestellt), 2. zu einer Gerichtsszene mit drei

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