Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
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Schließlich muß ein wichtiger Beitrag noch hervorgehoben werden, über den wiruns namentlich in Zentraleuropa dankbar freuen dürfen. Ernst Schlee sichtet ,, Nocheinmal: Türwächterbilder"( S. 275-294 mit 9 Abb.) ein Thema, zu dem es auch inÖsterreich viel Stoff gäbe, vor allem nach der umsichtigen und ausgreifenden bildge-schichtlichen und mentalitätsbezogenen Abklärung, wie sie, ausgehend von SigurdErixon, lange Zeit hindurch mit ausdauernder Beharrlichkeit Ernst Schlee betriebenhat. Es ist trotz E. Burgstallers Einzelhinweises für Oberösterreich von 1953 füreinige Mondseer Rauchhäuser immerhin erstaunlich, daß so glänzende Beispiele vonlebensgroẞen plastischen Türwächterfiguren wie etwa in Dürnstein in der Wachauoder auf Schloß Weinberg bei Kefermarkt(.) bei uns ebenso unbeachtet geblie-ben sind wie die unzähligen populären Darstellungen dieser Art, angefangen von denfiguralen Türschloßschildern( Graz, Gurk, Lungau) bis zu gemalten Wächterfigurenauf Truhen und Kästen oder zu geritzten Primitivfigurationen Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitivfigurationen an Häusern, Speichernund Scheunen. In weiten vergleichenden Ausgriffen durchleuchtet nunmehr ErnstSchlee dieses doch sehr eigenartige Phänomen illusionärer Wirkung bildlicher Wäch-ter- und Diener- oder Soldatendarstellungen aus einer Bildertradition, die sich bisin das hohe Mittelalter zurückverfolgen läßt( S. 281).

Oskar Moser

Hans Krebitz, Zurück zum Bauernhaus Bauernarchitektur in Öster-reichs Südalpen. Klagenfurt, Universitätsverlag Carinthia,( 1985), 103 Seiten,147 Abb.( Farbfotos und Zeichnungen), Sachwörterverzeichnis. Mit einerZusammenfassung in Englisch und Italienisch.

Anton Frick, Alte Kärntner Bauernhöfe. Berwang/ Tirol, Steiger Verlag,( 1987), 144 Seiten, davon 40 Seiten Text, 104 ganzseitige Farbtafeln( Farbfotosv. Verf.), Sachwörterverzeichnis.

Die vorgenannten zwei sehr hübsch und aufwendig ausgestatteten Neuerscheinun-gen über Kärntens Bauernhäuser kann auch die volkskundliche Hausforschung nichtganz übergehen, zumal in beiden so manches nicht ganz unwidersprochen bleibenkann.

Zunächst also der miẞverständliche oder auch irreführende Titel von Hans Krebitz Zurück zum Bauernhaus- Bauernhausarchitektur in Österreichs Südalpen". Auchwenn der Autor dieses Buches es gewiß positiv mit seiner Sache meint und u. a. denReferenten mehrfach( ja sogar als seinen ehemaligen Lehrer"!) zitiert, diesem ananderer Stelle sogar als Heimatforscher" alle Ehre antut, so kann dieser nichtumhin, dem Verfasser in einigem entschieden zu widersprechen und zu entgegnen.So habe ich das Buch selbst erst durch Zufall in einer Grazer Buchhandlung gefundenund muß nun leider darin genau das beanstanden, worauf der Autor sich offenbarbesonders nachdrücklich stützt: nämlich auf zahlreiche volkskundliche Sachverhalteund Umstände, mit denen hier innerhalb ganz anderer, das ländliche Bauwesen inKärnten betreffender Absichten und Zusammenhänge operiert wird. Man hat denpeinlichen Eindruck, daß das sogenannte Volkstümliche" hier als eine Art Blick-fang für ganz andere, übrigens durchaus positiv zu nehmende Ziele dienen soll, dabeiaber selbst völlig miẞverständlich aufgefaßt wird.

Seiner Grundintention nach folgt Krebitz in etwa der Kurzthese seiner englischenZusammenfassung: In modern times there is much to be learned from traditionalbuilding techniques( S. 100). Sein Verfasser, gebürtig in St. Veit an der Glan inKärnten, ist heute Architekt in Wien und scheint gewiß aus einer redlichen Über-

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