Das zweite Hauptreferat hielt der Philosoph Peter Heintel( Universität Klagen-furt):„ Das Museum zwischen Traditionsentzauberung und Ideologiebildung." SeineThese ist, daß es durch den Verlust des christlichen Eschatons zu einer Orientie-rungskrise gekommen ist, die Zukunft daher letztendlich nicht mehr sinnstiftend seinkann und die Grundlagen für Entscheidungspläne daher aus der Vergangenheitbezogen werden müssen. Mit dem Verschwinden Gottes in der Moderne ist allesVerschwindende wesentlich geworden. Vergessen und Verdrängen ist sowohl eineindividuelle als auch eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Im Museum wird diesdurch die Verdinglichung bewirkt, die Distanz schafft. Kollektives Vergessen wäreverderblich, das Museum bewahrt aber nur den„ Schein des Nicht- Vergessens“:Museen sind Instrumente der Vergessenssteuerung. Dabei wird das Objekt analy-siert, das heißt geteilt und aus dem Zusammenhang gerissen; der Besucher wird alseinzelner massenhaft auf das Objekt losgelassen. Die Aufgabe der Museumspädago-gik wäre es, die Objekte in einen Lebenszusammenhang rückzuführen. Der Besu-cher sollte lernen, zu genießen- Genuß ist„ distanziertes Dabeisein- Können“-,denn nur der Genuß sei moralfrei.
Das Arbeitsgespräch I stand unter dem Thema:„ Museologie und Museumspäda-gogik als Triebkräfte der Museumsentwicklung." Unter der Leitung von Peter vanMensch( Reinward- Akademie Leiden) diskutierten am Podium Vertreter desMuseumswesens aus Ost und West. Kleinster gemeinsamer Nenner wäre, daß derAusgangspunkt der Museumspädagogik die musealen Objekte sein müßten und daßMuseologen und Museumspädagogen in Theorie, Methodik und Praxis zusammen-arbeiten müßten.
Unter der Leitung von Frank Juergensen( Museumspädagogischer Dienst Ham-burg) wurde im Arbeitsgespräch II„ Museumspädagogik zwischen Professionalitätund Dilettantismus" problematisiert; hier wurde vor allem die Situation und institu-tionelle Verankerung( bzw. Nicht- Verankerung) der Museumspädagoginnen ineuropäischen Ländern dargestellt und diskutiert.
Im Arbeitsgespräch III wurde das Modell der Reinward- Akademie in Leiden( Holland) von Paul Berghuis vorgestellt, der einzigen institutionalisierten Ausbil-dungsstelle für Museumspädagogik in Europa. Das Konzept ist auch insofern bemer-kenswert als versucht wird, den Ausbildungsgang flexibel und dynamisch zu gestal-ten und es so möglich ist, auf veränderte Situationen im Museumsbereich unmittel-bar zu reagieren.( Die Reinward- Akademie veranstaltete übrigens vom 28. Augustbis 3. September 1988 ihren ersten einwöchigen Kurs„ Museumspädagogik“ in deut-scher Sprache.)
Angeregt durch das international ausgerichtete Programm war die Tagung in Hüt-tenberg auch ein Treffen österreichischer Museumsfachleute.
Gertrud Benedikt
,, Handwerk und Entwicklung. Altes bäuerliches Handwerk als Beitrag zureigenständigen Entwicklung des ländlichen Raums- Österreich- Dritte Welt Glossar ::: zum Glossareintrag Welt"Tagung vom 17. bis 19. Juni im Bezirksheimatmuseum Spittal an der DrauDie Veranstalter der Österreichische Informationsdienst für Entwicklungshilfe( ÖIE), die Förderungsstelle des Bundes für Erwachsenenbildung für Kärnten, die
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