Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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Rettung der mündlichen Überlieferung und nicht als literarische Arbeit( S. 6).Seine Geschichten sind nach Stoffgruppen eingeteilt: Kasermandl, Norggen usw.-Aitiologisches Schatzsagen- Teufelsgeschichten Hexen- Geister Unheim-liche Tiere. Dazu kommen hier auch Schwankgeschichten und Ortshumor. I. Wippelist bei ihrer Sammlung dem Benützer auch mit einem abschließenden Stichwörter-verzeichnis hilfreich, das die Aufsuchung der Sagenmotive erleichtert, wenn auch dieLemmatisierung noch etwas zu verbessern wäre. Bei J. Lösch kann man sich nur nachden Stoffgruppen diesbezüglich orientieren, wobei die Texte formal doch noch rechtunterschiedlich behandelt erscheinen. Dennoch mag dessen kleine Sammlung als einGewinn für die überaus reiche und lebendige Erzählüberlieferung eines SüdtirolerHochtales gelten.

Oskar Moser

Felix Karlinger, Johannes Pögl( Hrsg. u. Übers.), Märchen aus Argentinienund Paraguay. Köln, Diederichs, 1987, 255 Seiten.

Felix Karlinger braucht als Märchenforscher, Märchenherausgeber und Mär-chenübersetzer den Lesern dieser Zeitschrift natürlich nicht mehr vorgestellt zu wer-den. Auch die generellen Charakteristika der bei Diederichs in der Reihe ,, Die Mär-chen der Weltliteratur erscheinenden Ausgaben von Märchensammlungen bedür-fen hier keines Kommentars mehr. Unter den zahlreichen von Karlinger selbst in derReihe herausgegebenen Bänden, ist dies übrigens nicht der erste, der den Märchenaus dem lateinamerikanischen Raum gilt. Voraus gingen 1972( Mithrsg. Geraldo deFreitas) Brasilianische Märchen, 1976( Mithrsg. Elisabeth Zacherl) Südamerikani-sche Indianermärchen Glossar ::: zum Glossareintrag  Indianermärchen, 1978( Mithrsg. Maria Antonia Espadinha) Märchen ausMexiko und 1983( Mithrsg. Johannes Pögl) Märchen aus der Karibik. Was ist speziellzu dem neuen Band zu bemerken?

Zuerst einmal fällt die geographische Eingrenzung auf die zwei Länder Argenti-nien und Paraguay auf. Man könnte aus vielerlei Gründen vielleicht eine weitereAbgrenzung( Argentinien, Uruguay und Paraguay) oder eine engere( bestimmteTeile Argentiniens zusammen mit einem angrenzenden Nachbarland oder Teileneines solchen) erwarten. Als kleine Lösung wäre z. B. eine Eingrenzung auf Para-guay und den Nordosten Argentiniens( Corrientes, Misiones) in Frage gekommen.Tatsächlich stammen von den achtundfünfzig wiedergegebenen Märchentextenneun aus Paraguay, fünf aus dem Nordosten Argentiniens( Misiones drei, Corrienteszwei) und vierundvierzig aus dem restlichen Argentinien. Die räumliche Streuungder Texte aus Argentinien entspricht, soweit es sich nicht um indianische Märchenhandelt, ungefähr dem, womit man rechnen würde. Die großstädtischen Zonen sindwenig vertreten( immerhin findet man zwei in den siebziger Jahren in Buenos Airesaufgenommene Texte), während die Texte aus dem ländlichen Raum überwiegen.Und der von europäischstämmiger Bevölkerung spät und dann dünn besiedelteSüden des Landes mit seiner geringen folkloristischen Tradition ist im Vergleich zuden nördlichen Landesteilen spärlich repräsentiert. Was den Norden betrifft, so fälltdas völlige Fehlen eines Textes aus dem Bereich der traditionsreichen ProvinzTucumán auf. Auf den ersten Blick könnten auch die Proportionen in der Berück-sichtigung von Märchen indianischer Provenienz überraschen. Im heutigen Paraguaymit seinen verschiedenen Mischungen kultureller Elemente spanischer und guarani-

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