den Alpenländern kommend. So wird sie von der Verfasserin im Gegensatz zumFolklorestil gesehen, der im Verhältnis kurzlebigere Einflüsse, aber aus der ganzeninternationalen Welt und erst um 1976 und von Frankreich ausgehend, bringt.
Friederike Prodinger
Franz Gillesberger, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum in Ebensee. Hrsg. v. Ebenseer Fotoklub.Ebensee, Eigenverlag Ebenseer Bildband, 1987, 160 Seiten, Abb.
Es ist äußerst verdienstvoll, daß ein Fotoklub sich die Dokumentation des heimat-lichen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums zum Ziel setzt. In Ebensee gibt es dafür ja auch wahrlich loh-nende Motive. Es ist jedoch nicht so sehr die Qualität der Fotos, die diesen Bildbandaus der Masse ähnlicher Produkte hervortreten läßt, sondern die thematische Aus-wahl, die Hervorhebung auch der unscheinbaren Ereignisse, vor allem aber der vonFranz Gillesberger verfaßte Text. Der mit einer Magisterarbeit über„ Die SalineEbensee im 18. Jahrhundert" als Historiker und Germanist ausgewiesene Autor ver-fällt nämlich wohltuenderweise nicht in den Fehler, für die Erklärung der Bräuchedie altbekannten und offensichtlich auch in der Bevölkerung kaum ausrottbarenMythen breitzutreten, sondern er bemüht sich, die historischen Hintergründe derBrauchtumsentwicklung Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsentwicklung darzulegen. Er zieht dabei auch die Erkenntnisse neuerervolkskundlicher Literatur heran und leistet damit im besten Sinne Aufklärungs-arbeit.
Gillesberger stützt sich aber auch auf eigene historische Untersuchungen, beidenen er sich vor allem der Zeitung als Quelle bedient. Damit kann er zeigen, daßder bekannte Ebenseer Fetzenfasching erst seit Beginn unseres Jahrhunderts seineunverwechselbare Ausprägung erhielt. Aber auch bei anderen, scheinbar so altver-trauten Veranstaltungen, wie dem Neujahrskonzert oder dem Liebstattsonntag, ver-giẞt er nie den historischen Bezug. Bei beiden Veranstaltungen handelt es sich umInnovationen, die, dem Wiener Vorbild bzw. dem nachbarlichen Brauch folgend,1976 bzw. 1978 übernommen wurden. Es sind das kulturelle Ausdrucksformen eineslebendigen Vereinslebens, das stets nach neuen Selbstbestätigungen sucht.
Das Martinsspiel, das sich seit 1980 steigender Beliebtheit erfreut, gehört in die-sem Zusammenhang ebenfalls erwähnt. Gillesberger schreibt dazu:„ Immer wiederentstehen neue Bräuche, und wenn man nach etlichen Jahren Nachforschungen überden Ursprung anstellt, dann erfährt man, daß, das immer schon so war'. Besondersbei Mitwirkenden ist kurioserweise dieser Satz häufig zu hören." Man erfährt aberauch über die traditionellen Bräuche manch Neues. Etwa, daß die Ratscherbuben –wie es sonst aus Ostösterreich bekannt ist die Nächte gemeinsam außer Haus ver-bringen.( Vor etlichen Jahren zündeten sie dabei wie aus der Zeitung zu erfahrenwar- einen Holzschuppen an!) In den Ablauf des Jahresbrauches werden zusätzlichtypische Speisen, die Tracht, der Volkstanz und wie könnte es in Ebensee anderssein die Krippen und ihre Hersteller in den Bildband aufgenommen, der uns einentypischen Ausschnitt aus Ebensee vermittelt.
Franz Grieshofer
Adulf Peter Goop, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum in Liechtenstein. Vaduz, Selbstverlag derLiechtensteinischen Trachtenvereinigung, 1986, 415 Seiten.
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