volkstümliche Anschauung. Vom Gärtnerischen über die Alchemie bis zur Philoso-phie und Theologie bieten die Autoren die wichtigsten Aussagen, unterstützt durchein gut gewähltes und vorzüglich wiedergegebenes Bildmaterial.
Es hieße, Unmögliches verlangen, wollte man zu allen Seitenmotiven und Detail-vorstellungen Aufschlüsse erwarten. Der wesentliche Sinn und Hintergrund derRose im Leben der Völker des Morgen- und des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes wird sachlich und fach-lich exakt aufgeschlüsselt und gedeutet.
Daß die Autoren in Schwerpunkten besondere Aspekte betont haben, kommtdem Leser entgegen; andernfalls verlöre man wohl schnell den Überblick. In Konse-quenz davon müssen Lücken bestehen bleiben. Wenn wir sie hier andeuten, soll daskeine Kritik sein.
Dazu gehört, daß- wie bei vielen Symbolen die Rose etwas ganz Bestimmtesund das absolute Gegenteil davon symbolisieren kann. Zwar ist aufschlußreich vom,, Dorn der Erbsünde", von der„ Dornenkrone“, von„ Maria im Dornwald“ undanderem die Rede, doch kommt die dämonische Seite mancher Rosen- Riten nichtzur Sprache.
Ebenso ist bei den literarischen Interpretationen der Rose an García Lorcas,, Doña Rosita“ zu erinnern, dem Drama der Rose schlechthin und voll der symboli-schen Anspielungen.
Problematisch muß erscheinen, wenn in jedem Dorn ein Rosendorn gesehen wird.Gerade im Hinblick auf den„ Schlafdorn" gibt es zahlreiche Belege, die nichts mitder Rose zu tun haben. Von Bäumen ausstrahlender Schlafzauber und Übertragungdurch Ritzen der Haut führen in zwei verschiedene Richtungen. So war wohl auchdie Dornenkrone nicht aus Rosengesträuch, sondern nach August Vezin( Das Evan-gelium Jesu Christi, Freiburg 1958) aus Zweigen des Bocksdorns.
Hingegen ist höchst wertvoll, was über die sehr divergierenden Seiten der Rosen-symbolik hinsichtlich der Bedeutung in der Erotik und der Liebesdichtung vorgelegtwird. Die Autoren beschränken sich nicht auf die„ hohe“ Literatur, sondern bringenreichhaltige Beispiele aus der Welt des Volkslieds und der populären Drucke, wieauch die Abbildung eines Kolportage- Produkts, auf welcher die Rose sowohl alsVulva wie als Phallus zu erkennen ist, samt dem Spruch:„ O Röslein roth,/ O Rösleinschön, hätt ich niemals/ Dich gesehn."
Desgleichen reichen die Beobachtungen und Bemerkungen bis in den Bereich derVolksmedizin hinein.
Insgesamt handelt es sich zweifellos um ein sehr anregendes Buch, dessen Auswer-tung auch drei Register erleichtern.
Felix Karlinger
Ingrid Loschek, Reclams Mode- und Kostümlexikon. Stuttgart, PhilippReclam jun., 1987, 544 Seiten, 470 Abb.
Das vorliegende Werk bietet nicht nur Mode- und Kostümschlagwörter in üblicherLexikonart, denn eine fundierte Geschichte der Kleidung und der Mode, ausgestat-tet mit 10 Farbbildern und vielen Schwarzweißbildern ist mit immerhin 96 Seiten demeigentlichen Lexikon vorangestellt. Das Sachwörterwerk beansprucht 403 Seiten
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