Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
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schen Kenntnisse besondere Voraussetzungen hätte, was an dieser Stelle nicht alsKritik, sondern vielmehr als Anregung gemeint ist. Dennoch erlaube ich mir docheine kleine Kritik an der Unterschrift zu Bild 88, denn einen Giebel fränkischerArt" gibt es eigentlich nicht, wie auch die Stammestheorie in der Hausforschunglängst überholt ist.

Nach diesen historischen Einführungen setzt sich dann die Autorin mit der Schil-derung der Weingartenarbeit im Jahreslauf, wo neben den arbeitstechnischen auchdas Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum, volksglaubensmäßige und religiöse Handlungen geschildert werden,auseinander: vom Schneiden der Reben, über die Bodenbearbeitung, die Problememit Frost und Hagelschlag bis zu den Schädlingen und ihrer Bekämpfung, derBodenuntersuchung und dem Düngen, Laubarbeiten, Weingartenstecken, Wetterund Wetterregeln, Weingartenhüten bis hin zur Weinlese als Höhepunkt der Wein-gartenarbeit reicht der Bogen. Auch hier werden die Unterschiede zwischen denfünfziger Jahren und der heutigen Zeit deutlich dargelegt.

Ein weiterer Problemkreis beschäftigt sich mit der Bearbeitung der Weintrauben,mit der Mostzubereitung, mit dem Pressen und auch mit dem Keller, mit dem Faẞund seiner Zier und anschließend mit der Kellerwirtschaft( Jungwein, Lagerung, Fla-schen, Weinglas, Weinprobe zu Martini). Auch die Entwicklungsgeschichte desLeutgebens, des Buschenschanks bietet interessante Vergleiche: Von den dreißigerJahren, wo manche kleine Hauer zum Ausstecken das Wohnzimmer bzw. das Schlaf-zimmer herangezogen haben, bis zu den heutigen Großheurigen, Weinkosten undWeinwochen. Ein wichtiges Thema ist auch die Werbung für den Wein.

Schließlich folgt die Schilderung traditioneller Feste( Weinlesefest und Ernte-dankfest) bis zu den neueren Weinfesten, wie Sommerfeste mit Weinkönig undWein- und Winzerkönigin. Das religiöse Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum schließt das Buch ab.

Hervorzuheben sind die 125 Abbildungen( davon 22 in Farbe), die ein interessan-tes ikonographisches Material bieten. Erfreulich für alle Freunde der Sooßer Rot-weine, zu denen auch die Rezensentin zählt, ist das Photo Nr. 23 von drei altenWeinhauern aus der Gemeinde Sooẞ, von denen der älteste, 77 Jahre alt, bis 193347.450 Liter Wein getrunken haben soll, wobei er sich wie auch seine zwei Gefährtenbester Gesundheit erfreute. Um die Freude meiner verehrten Kollegen über dieseMeldung doch ein bißchen zu bremsen, sei hierzu noch ein Sprichwort aus Mährenerwähnt: Nicht der Wein ist daran Schuld, daß die Leute trinken und einen Katerhaben.

Vera Mayer

Gerd Heinz- Mohr, Volker Sommer, Die Rose- Entfaltung eines Symbols.München, Eugen Diederichs Verlag, 1988, 243 Seiten, 18 Tfn.

Die Kultur- und Sittengeschichte der Rose ist ein sehr weites Feld. Der Wirkungs-bereich dieser Königin der Blumen" ist schwer einzugrenzen, jede Einengung sub-jektiv.

Das vorliegende Buch bietet zu diesem an den Rändern zerfließenden Komplexeine bewundernswerte Fülle von Material. Das gilt für die historische Seite der Roseebenso wie für die religiöse Bedeutung, für die literarische Thematik und für die

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