von den Bemühungen der Herausgeberin eindrucksvoll Zeugnis legen( S. 223–250).Den Quellentexten sind nicht nur die erhaltenen Planzeichnungen zu den einzelnenBerichten mit Grund- und Aufrissen bzw. Querschnittskizzen in Farbe beigegeben,sondern für den weniger sachvertrauten Benützer auch eine große Zahl von davonunabhängigen Fotos mit Baudetails samt ausführlicher Beschriftung, die das Mate-rial der historischen Texte nach Aufnahmen bewährter Fachleute und nach den inneuerer Zeit kaum wesentlich veränderten Sachverhalten zusätzlich illustrieren. IhreAutoren sind abschließend genau verifiziert wie die herangezogene Literatur, Perso-nennamen, Orte und Sachen übersichtlich registriert erscheinen.
Oskar Moser
Helene Grünn, Weinbauvolkskunde des Südbahngebietes von Wienbis Leobersdorf(= Niederösterreichische Volkskunde, Band 18). Wien, Ver-lag des NÖ. Heimatwerkes, 1988, 300 Seiten, 125 Abb., davon 22 in Farbe.Helene Grünn beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Weinbauvolks-kunde. Nach ihrer Dissertation im Jahre 1951/52 mit dem Titel ,, Volkskunde des nie-derösterr. Südbahngebietes" folgten weitere Veröffentlichungen, wie zum Beispiel,, Weingartenarbeit im Jahreslauf und die damit verbundenen Bräuche; Faßboden-zier; Vom Leutgeben“( 1959),„ Ergebnisse der Weinbauvolkskunde in Niederöster-reich"( 1968),„ Faßbinder/ Faßboden. Handwerk und Kunst“( 1967),„ Wein in Kunstund Volkskunde"( 1971),„ Der Wein in Österreichs Kunst und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum“( o. J.).
Umso mehr kann man sich daher freuen, daß die von Helene Grünn verfaßte Dis-sertation jetzt, überarbeitet und erweitert, als 18. Band der Reihe„ Niederöster-reichische Volkskunde" erschienen ist. Die Tatsache, daß Helene Grünn inmittendes erforschten Gebietes lebt und selbst Weingärten besitzt, ist eine der besten Vor-aussetzungen nicht nur die historische Weinbaukultur, sondern auch ihren Wandelbis in die heutige Zeit aus nächster Nähe beobachten zu können. Der Strukturwandelwird noch auffallender, wenn man zum Vergleich ihre Dissertation heranzieht. Wirsehen dabei, wie sich auch die volkskundliche Betrachtungsweise von Helene Grünnentwickelt hat. Liegt der Akzent der Dissertation auf dem traditionellen volkskund-lichen Kanon, so beeindruckt an der rezensierten Veröffentlichung die thematischeBreite, wo neben den volkskundlichen auch historische, wirtschaftsgeschichtliche,arbeitstechnische und sprachwissenschaftliche Aspekte stärkere Beachtung finden.
Mit der Problematik wird der Leser anhand einer logischen Abfolge konfrontiert.Nach der Vorstellung des südlich von Wien gelegenen Untersuchungsgebietes umBaden, das durch die schon den Römern bekannte Thermenlinie und durch die Lagean der Südbahn gekennzeichnet ist, folgt die Beschreibung des Weinstockes und derWeinrebe, der sich hier befindlichen Weinsorten und ihre Bewertung, eine histo-risch- geographisch vergleichende Darstellung des Weinbaus/ Weinbergs und Wein-gartens und verschiedener Rebkulturen- von den Stockkulturen über Laubenbau,Drahtrahmenkultur bis zu den neuesten mittelhohen und Hochkulturen. Die Schil-derung von Weinrieden und ihrer Benennung verrät die Vorliebe Helene Grünns fürdie Germanistik, die sie 1937/38 zusammen mit dem Fach Geschichte auf der Univer-sität Wien inskribierte, bis sie dann schließlich 1948 zur Volkskunde und Kunstge-schichte überwechselte.
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