Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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Der Dulder Job( Hiob) in denÜberlieferungen Kärntens

Zur neuesten Untersuchung volkstümlicher Hiobs- Erinnerungen" im Alpen- Adria- Raum durchLeopold Kretzenbacher

Von Oskar Moser

Das Thema läßt sich vielleicht am besten mit den Worten Kret-zenbachers selbst einleiten: Der christliche Kult sogenannter, alt-testamentlicher Heiliger' nimmt zumal in der mittelalterlichen Kir-che des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlandes eine sehr eigenartige Stellung ein. Sie ist theo-logisch nie geklärt worden. Demgemäß ist dieser, Kult', seitens derAmtskirche gesehen, offiziell zumeist heute nur geduldet, gewißaber in unserer Zeit nirgendwo gefördert." ¹ Dennoch ist die Zahlder Gerechten", die im christlichen Abendlande Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlande dem Alten Testa-ment der Bibel entnommen sind, ganz beträchtlich, dies zumal inKärnten, wo etwa neben dem Propheten Daniel auch Hiob diesen,, Heiligen" und Kirchenpatronen zugerechnet worden ist, der ,, hei-lige Job" also, als vielgeprüfter, leidender Held der biblischenGeschichte, der auch kirchlicherseits und nach dem kanonisch"anerkannten Buch Hiob Zuwendung und Verehrung fand.

Dieses Buch ,, Hiob nun stammt aus dem fünften vorchristlichenJahrhundert. Es berichtet uns vom tragischen Schicksal eines nicht-jüdischen ,, heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Fürsten, der aus dem Lande Hus am TotenMeer stammte. Seine besondere menschliche Tragik als Bekennerund Erdulder vielerlei Heimsuchungen, sein langes und entsetzli-ches Leiden müssen von Anbeginn her der Anstoß dazu gewesensein, daß dieser Hiob der Heiligen Schrift zu einer Symbolfigur des,, Dulders" geworden war und daher so viele Patronate als ein häufig

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