,, sei es aus Gründen der Ökonomie der Texte, sei es, weil er mit dem Tempo desErzählers nicht mitgekommen ist-, gekürzt und vereinfacht hat.) In den Magneto-phon- Aufnahmen merkt man die Spontaneität, mit der sich auch der Sprechendemanchmal in seinem eigenen Satz verwirrt, etwas wiederholt oder ausläẞt.
Vom Typus her ist auffallend, daß man in jüngerer Zeit den Schwank zu bevorzu-gen scheint. Es sind jedoch nicht Schwänke moderner Art, wie wir sie aus Europakennen. Alle diese Schwänke haben etwas gefährlich Doppelbödiges; es geht meistgerade noch gut aus, in zwei Fällen jedoch nicht. Diese Schwänke haben zumal etwasvom Charakter einer Fabel, einer Parabel an sich. Es sind Texte, die zum Nachden-ken anregen und nicht nur belacht werden wollen.
Isidor Levin hat einmal geschrieben, Hodscha Nasreddin sei ein Sufi, und seineStreiche sollten Jünger in das geheime Denken einweihen. Ist etwas davon hier ent-halten? Die Antwort fällt schwer, zumal wir das Milieu nicht kennen, in dem dieseGeschichten leben und funktionieren.
Leider teilt das Vorwort nicht mit, ob es sich bei diesen Texten um eine lokale Son-derform handelt und ob dieser Typus im Erzählen dominiert. Die Autorin hat inEuropa studiert, sie weiß, wie akzentuiert unsere Erzählforschung ist. Sie romantifi-ziert nicht und sie will nichts weiter, als Texte herausstellen.
Wir haben erwähnt, daß das Personarium der Geschichten aus der Gegenwartbeschränkt ist. Es ist jedoch nicht entsakralisiert, wenn auch soziale Aspekte darinstärker berücksichtigt werden. Ein geheimnisvolles Irgendetwas bleibt darin wirk-sam, obwohl die massiven Wunder selten sind und manche Ereignisse auch naturali-stisch gedeutet werden könnten.
Zweifellos ist es interessant, zu beobachten, welche Veränderungen die orale Tra-dition in einem Raum gefunden hat, in welchem der Einbruch der Gegenwart seitdem Ende der Kolonialzeit noch größere Wandlungen mit sich bringen mußte, als esfür unsere Erzähllandschaften gelten darf.
Felix Karlinger
Von Dämonen, Bären und Hexen. Fasnachtsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Fasnachtsbrauchtum in Tirol. Eine Dokumen-tation von Norbert Hölzl( ORF, FS 2, 16. 1. 1988, 16.15 Uhr); Axamer Wam-peler Reiten. Wolfgang Pfaundler dokumentiert einen der rauhesten Fasnachts-bräuche Tirols( ORF, FS 2, 17. 1. 1988, 10 Uhr);- Spur der Zeit/ La Trace. Spiel-film, Frankreich 1984, Regie: Bernard Favre( ORF, FS 1, 17. 1. 1988, 14.40 Uhr).Auch wenn es auf den ersten Blick ungewöhnlich scheint, möchte ich doch an die-sem Ort einen Bereich ansprechen, der in den Bibliographien längst Einzug gehaltenhat und der in unserem Fach immer wieder unter verschiedensten Gesichtspunktendiskutiert wird. Das Interesse am Medium Film zeigte sich nicht nur in den lebhaftenWortmeldungen nach Rolf Brednichs Referat am letzten Kongreß der DGV inFrankfurt, sondern manifestiert sich auch in der Wiederbegründung der eigenenFilmkommission im Rahmen der DGV, die in Göttingen stattgefunden hat. Nebender verdienstvollen wissenschaftlichen Dokumentationsarbeit des Bundesinstituts
für den wissenschaftlichen Film( ÖWF), die aber naturgemäß nur einen kleinen,, exklusiven" Zuschauerkreis erreicht, ist es nicht zuletzt das Österreichische Fern-sehen, das immer wieder Filme zu verschiedenen Gelegenheiten produziert bzw.
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