Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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gewidmet war. Wie immer bei vielen parallel laufenden Veranstaltungen war esschwierig, eine Auswahl zu treffen bzw. sich auf den Besuch einer Sektion festzule-gen. Leider war das Ambiente der Frankfurter Universität alles andere als kommuni-kationsfreundlich, was bei einem Kongreß, der ja auch immer als Anlaß dienen soll,zwischenmenschliche Kontakte zu ermöglichen und zu fördern( Referate kann mannotfalls nachlesen, Beziehungen kann man nur persönlich aufbauen), ein bedauerli-ches Manko darstellte. Neben einer erfreulicheren Umgebung geht mein Wunsch fürnächste Kongresse auch dahin, konkretere Themen zu wählen. Allein der BereichTourismus/ Folklorismus wäre meines Erachtens einer eigenen Tagung wert undsollte nicht in einer Sektion unter so vielen verschwinden". Vieles wurde angeris-sen, viele interessante Forschungsansätze und Projekte angesprochen, vielleicht zuviele für einen einzigen Kongreß.

Eva Kausel

,, Perspektiven des wissenschaftlichen Films in der Volkskunde."

Bericht über die volkskundliche Filmtagung in Reinhausen.

Vom 11. bis 14. Februar 1988 fand in Reinhausen bei Göttingen eine Arbeitsta-gung über Perspektiven des wissenschaftlichen Films in der Volkskunde statt, dievon Prof. Rolf- W. Brednich und Dr. Edmund Ballhaus mit seinen Student( innen) enumsichtig organisiert wurde. Die Tagung verfolgte das Ziel, die lange vernachläs-sigte Diskussion über das Medium Film neu in Gang zu bringen, eine Auseinander-setzung über die Theorie des Forschungsfilms zu initiieren und neue Konzepte deswissenschaftlichen Filmschaffens aus den beteiligten Ländern( Deutschland,Schweiz und Österreich) vorzustellen. Nach der Eröffnung durch Prof. Rolf- W.Brednich, der die Teilnehmer gleich in mehrfacher Funktion begrüßte, legte Dr.Edmund Ballhaus in seinem Einführungsreferat eine Reihe von Thesen zum wissen-schaftlichen Film als Diskussionsgrundlage vor. Es folgten an den nächsten TagenStatements und Filmvorführungen aus den drei Ländern, die die große Bandbreitevolkskundlichen Filmens zeigten: Etwa die interessanten Filme von Prof. Dr. Inge-borg Weber- Kellermann, die sie zusammen mit dem Fernsehen herstellte und mitdenen es ihr gelang, neue Erkenntnisse der Volkskunde einem breiten Publikum zuvermitteln. Ihre Filme über Hessische Tracht oder Gegenbesuch"( Zu Besuch inder Türkei) verdienen das Prädikat verfilmte Volkskunde". Über das Filmarchivund die Filmproduktion beim Amt für rheinische Landeskunde referierte Dr. AloisDöring. Sein Film dokumentierte die Herstellung einer Karklapper, wobei die tra-ditionelle Konzeption und Kameraführung kritisiert wurden. Kritisiert wurde auchdas Filmbeispiel von Franz Haller, Meran, der einen Querschnitt durch das Brauch-tum Glossar ::: zum Glossareintrag tum in Südtirol zeigte, aus dem aber nicht klar wurde, für wen und zu welchemZweck er hergestellt wurde. Anders beim Film von Dr. Ballhaus. Diesem gingenlange Feldforschungen voraus. Er arbeitete selbst 4 Wochen im Sudhaus, ehe er denFilm über die Salzgewinnung realisierte, in den er neben dem Arbeitsvorgang auchdie Arbeiter und ihr soziales Umfeld einbezog. Prof. Dr. Günter Kapfhammer skiz-zierte die Entwicklung des wissenschaftlichen Films und seine Abhängigkeit von denNormen des Göttinger Instituts für den wissenschaftlichen Film( IWF), von denensich die Volkskunde noch nicht lösen konnte. Als Beispiel für eine mögliche Ent-wicklung zeigte er einen im Rahmen eines Seminars entstandenen studentischenFilm( Video) über die Situation in einem Altersheim. Großen Eindruck hinterließen

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