,, Die Angst vor den Toten und vor deren Wiederkehr“ ist nicht nur das Einlei-tungskapitel, es könnte als Motto für den ganzen Band gelten. Der Autor führt anHand von Daten und Schriften von der Antike her in die Vorstellungen und Darstel-lungen des Mittelalters. Im vierten Kapitel„ Totenbräuche“( mit Akzent auf germa-nischen Quellen) wird deutlich, welche Funktionen verschiedene Bestattungsritenhatten, sowie ablesbar, was davon sich bis in unsere Tage herauf erhalten hat. Diewesentlichen Differenzen- und die vereinzelten Übereinstimmungen- in den hin-ter dem Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum stehenden Gedanken wird einem besonders erkennbar, wennman die Ausführungen von Lecouteux etwa den südmediterranen Riten gegenüber-stellt, wie sie Theofried Baumeister( Martyr Invictus, Münster 1972) beschriebenhat. Auch der innere Widerspruch, daß der Tote einmal im Grabe einmalanderswo vorgestellt wird, erfährt seine Darstellung.
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Wenn der Autor( S. 39) Ambrosius zitiert und auf dessen Stellungnahme gegenTotenmähler auf den Friedhöfen verweist, so muß man ebenso daran denken, daßAmbrosius seinen eigenen Bruder unmittelbar neben einem Märtyrer beerdigt hat,um ihn in den Schutz von dessen Blut zu geben.
Das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum ist nie ohne innere Unlogik, die aus der Unsicherheit der Befürch-tungen und Hoffnungen resultiert.
Lecouteux akzentuiert wie es ja auch der Titel besagt die Nachtseite desToten- Glaubens( 5. Kapitel: Die unechten Wiedergänger oder unheimlichen Leich-name, Die widerspenstigen Toten, Die christliche Deutung der Totenwache, DieSelbstverteidigung der Toten, Die widerwilligen Wiedergänger). Er geht zahlreichenDetailfragen nach( 8. Kapitel: Wer kehrt zurück?, Warum geht man um?, Wanngehen die Toten um?, Wo zeigen sich die Spukgestalten?, Wie wird man einen Wie-dergänger los?) und zeigt gerade an Einzelbeispielen, wie vielschichtig der Komplexist.
Ausgespart bleibt weitgehend der Totentanz und der dankbare Tote, dem ledig-lich in einem Unterkapitel( Der gute Tote und seine Verwandlung in einen gutenGeist) nachgegangen wird.
Wie stets bei Lecouteux bestechen seine klare Sprache und seine exakten Quellen-belege. Dadurch ist es dem Interessierten jederzeit möglich, spezifischen Fragenweiter zu folgen. Die Aufarbeitung skandinavischer Materialien ist für die Volks-kunde um so wichtiger, als hier bisher die Sprache beträchtliche Schwierigkeit berei-tet hat.
Ebenso ist man dankbar, daß der Autor seine vielen Einzelanalysen am Schluß ineiner Synthese( S. 268-288) zusammengefaßt hat.
Lutz Röhrich hat dem Buch ein Vorwort vorausgestellt, das auf einige Grundzügeder Volksglaubensforschung zum Tod verweist.
Eine 14 Seiten umfassende Bibliographie sowie ein Register bereichern das Buchund erleichtern seine Benützung. Es sei wärmstens empfohlen.
Felix Karlinger
Felix Karlinger, Zauberschlaf und Entrückung. Zuf Problematik des Motivsder Jenseitszeit in der Volksüberlieferung(= Raabser Märchenreihe, Bd. 7).Wien, Österreichisches Museum für Volkskunde, 1986, 72 Seiten.
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