schicken, wo die Manuskripte im Archiv der Finnisch- Ugrischen Gesellschaft zu fin-den sind. Im Jahr 1984 konnte I. Lehtinen das Dorf T. Jevsevjevs aufsuchen, seinenoch lebenden Verwandten kennenlernen, die russischen Quellen sowie JevsevjevsBriefe an die finnischen Forscher studieren und so das Leben und die wissenschaft-liche Tätigkeit des tscheremissischen Experten ausführlich schildern. Aus den russi-schen und tscheremissischen Manuskripten wurde zunächst eine finnische und dar-aus sodann eine deutschsprachige Übersetzung gemacht. In diesem Band können wirfolgende Themenkreise kennenlernen: Flachs- und Hanfbau, Weberei, das Färbender Garne, das Bänderweben( Brettchenweberei), das Stricken von Strümpfen undFausthandschuhen, die Wäsche.
Nach dem Manuskript des Sammlers beschreibt I. Lehtinen eingehend die Män-ner- und Frauentrachten. Von besonderer Bedeutung ist die Schilderung der Kopf-bedeckung, der Haartracht, des Brustschmuckes, der Hochzeitstracht und der Klei-dung der verheirateten Frauen bei Hochzeiten.
Etwa 140 vorzügliche Fotografien und zahlreiche Zeichnungen tragen maßgeblichzur besseren Verständlichkeit des Textes bei. Aus den reichhaltigen Beschreibungenseien hier einige Einzelheiten erwähnt: Die Hanfdocken werden in einem Stampf-trog( Mörser) weich gemacht. Dieses Verfahren ist auch bei anderen finno- ugrischenVölkern sowie den östlichen Slawen bekannt. Im 18. Jahrhundert war in Frankreichdie Erweichung von Werg im Mörser bekannt, bei den germanischen Völkern hinge-gen ist diese Technik unbekannt( vgl. L. Szolnoky, Arbeitsgeräte im Wandel. Buda-pest 1972, S. 189. Ungarisch). Eine auffallende Variante der Waschmethoden: Klei-der und Leintücher werden in einen Trog gelegt und mit zwei Knüppeln„ gestampft“.Das Mangeln ist unbekannt. Nach dem Bleichen macht man das Leinen weich,indem man es an einem besonderen Klotz bleut. Es ist recht interessant, daß dieTscheremissen zwar sehr viel Leinen verwenden, aber sie kaufen fertige Flachswik-kel von den Russen und spinnen sie selbst zu Garn. Bemerkenswert ist die Beschrei-bung der Gemeinschaftsarbeit in der Spinnstube.
Wir möchten gerne hoffen, daß I. Lehtinen aus den Manuskripten von T. Jevsev-jev noch weiteres wertvolles ethnographisches Material veröffentlichen wird. Hiersei bemerkt, daß das Kapitel, in dem I. Lehtinen über die Situation der tscheremissi-schen Ethnographie in den dreißiger Jahren schreibt, einen besonderen Wert desBuches darstellt.
Béla Gunda
Claude Lecouteux, Geschichte der Gespenster und Wiedergänger imMittelalter. Köln, Böhlau Verlag, 1987, 306 Seiten.
Das vorliegende Werk erweitert und resümiert zugleich einen Problemkreis, zudem Lecouteux sich schon mehrfach geäußert hat. Das Buch imponiert durch seineFülle und fasziniert durch die kluge Gedankenführung.
Der Aufbau- 13 Kapitel mit 50 Unterteilungen- ist freilich nicht leicht zu durch-schauen, manchmal wird man auch verwirrt durch die nämlichen Begriffe fürErscheinungen verschiedener Art. Das Buch bildet jedoch für den Volkskundlereine Fundgrube, da es sowohl literarische Materialien wie Brauchtumsquellen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsquellenberücksichtigt.
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