Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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dokumentierten Mentalität des Aufbruches, zu dem sich so viele Geister des zahlen-mäßig kleinen Volkes bekannten. Das mußte und hatte sich auch in einer besonderenArt der( nicht primär biedermeierlichen) Bürgerlichkeit des Modischen in Klei-dung und trachtlichem Beiwerk( Schmuck, Schuhwerk) aussprechen, demnach auchin einer denkmalreichen Kunstwelle widerspiegeln können. Die Quellen fließen,anders als im vorhin genannten bäuerlichen Bereich der Opisi", vor allem auserstaunlich ergiebigen Materialien in Druckwerken und Bildergalerien Sloweniens,aber auch seiner Nachbarländer. Dazu treten Reisebeschreibungen mit Trachten-schilderungen als Lokalkolorit". Ähnliches gilt für eine diesbezügliche Auswertungder Volkslieder, für Notizen zum Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum der bürgerlichen Kleidung an besonde-ren Festtagen des kirchlichen wie des profan- ,, öffentlichen Jahrlaufes oder des Rin-ges der besonderen Zeitpunkte des Lebens der einzelnen innerhalb der Gemein-schaft.

Welcher Reichtum an Zeitschriften, Zeitungen, Reiseliteratur und ähnlichenschriftlichen Quellen durchgearbeitet werden konnte, läßt schon die Einleitung,S. 10-16, erkennen. Die Erhebungen schließen Materialienkunde, Handwerklichesin der Verarbeitung zur Mode, die Preise, dazu die sorgfältig differenzierten wirt-schaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Aspekte des Sichunterwerfens unterein Diktat der ,, Mode" mit ein. Das zeigt sich sozusagen wie in einem Brennpunktgesammelt in der Darstellung, wie sich der Repräsentant jener Zeit, eben der so jungverglühte, verstorbene, von Anton Alexander Graf Auersperg( 1806-1876) aufrich-tig und tief als sein Oberkrainer Landsmann und Freund betrauerte Dichter FrancePrešeren selbst kleidete.

Man darf nach diesem Werk, das durch eine umfangreiche französische Zusam-menfassung auch der außerslawischen Forschung und durch gute Register wie ebeneinen erstaunlich reichen Bildschatz erschlossen wird, gespannt jenen in Aussichtgestellten zwei weiteren Forschungsbänden entgegen sehen, die für die trachtlichenVerhältnisse einerseits im slowenischen 16. und 17. Jahrhundert, zum anderen denenin der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Autor vorangekündigt werden.Leopold Kretzenbacher

Ildikó Lehtinen( Hg.), Timofej Jevsevjevs ethnographische Sammlun-gen über die Tscheremissen. Stoffherstellung und Volkstrachten. Einlei-tungskapitel: Timofej Jevsevjev- der große tscheremissische Sammler von IldikóLehtinen(= Travaux ethnographiques de la Société Finno- Ougrienne, Bd. XII:1) Helsinki, Museovirasto und Suomalais- ugrilainen Seura, 1985, 138 Seiten,141 Abb.

Zu Beginn dieses Jahrhunderts unternahmen mehrere finnische Linguisten undEthnographen( Y. Wichmann, U. T. Sirelius, A. Hämäläinen, A. O. Heikel usw.)Feldforschungen unter den finno- ugrischen Völkern( Mordwinen, Wotjaken, Tsche-remissen) an der Wolga und der Kama. Auf ihr Zureden führte ein junger tschere-missischer Lehrer in den Jahren 1907 bis 1929 höchst beachtliche Sammlungen inmit-ten des eigenen Volkes durch. Die finnischen Fachleute erteilten T. Jevsevjev, derinzwischen auch ein Heimatmuseum zustande brachte, fortlaufend Anleitungen.1929 brach unversehens jede Verbindung mit dem tscheremissischen Lehrer ab, derwahrscheinlich im Jahr 1937 starb. Das gesammelte Material, welches sich praktischauf alle Gebiete der Volkskultur erstreckt, konnte T. Jevsevjev stets nach Helsinki

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