verschiedenen sprachlichen Gruppen. Im allgemeinen spiegeln sich in den Methodender Getreideaufbewahrung die Gesetzmäßigkeiten einer gegenseitig ergänzendenbzw. eliminierenden Bewegung des traditionellen Alten und des in Entstehungbegriffenen Neuen wider, ebenso auch die arbeitsbedingten Anstrengungen, womitdie ungarischen Bauern Jahrhunderte hindurch ihr alltägliches Leben zum Besserenwenden wollten. Diese Feststellungen des Verfassers dürften auch jene Volkslebens-forscher beruhigen, die vor den kulturellen„ Archaismen" fliehen und bezweifeln,daß diese das Leben, die Arbeit widerspiegeln könnten. In Wirklichkeit bewahrendiese ,, Archaismen" die Vielfältigkeit des Lebens; sie sind viel eher die Kettengliederder Geschichte als etwa eine Abfallgrube am Straßenrand.
Béla Gunda
Andrei Paleolog, Pictura exterioară din Țara Românească. Bucureşti,Editura Meridiane, 1984, 105 Seiten+ 75 Tafeln.
Der vorliegende Band bildet nicht einfach ein Exemplar mehr jener Werke, diesich mit den berühmtgewordenen rumänischen Außenfresken beschäftigen, sonderner verdient Interesse durch das spezifische Bemühen, den Hintergrund vieler Dar-stellungen auszuleuchten und die Bedeutung einzelner Motive aus ihrer Zeit herauszu interpretieren. Insbesondere wird eine Brücke zwischen den Fresken und denAbbildungen in alten Codices geschlagen, von denen ein großer Teil uns als Volksbü-cher geläufig sind.
Den starken Bezug, welche manche Fresken zu alten apokryphen Schriften undderen volkstümlichen Echoformen gefunden haben, hat schon früh L. Kretzen-bacher erkannt( z. B. in ,, Teufelsbündner und Faustgestalten im Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag Abendland", Kla-genfurt 1968, S. 42 ff.). Hier werden nun mancherlei Parallelen aufgedeckt, die sichzwischen Buch- und Wandmalerei beobachten lassen. Es ist vor allem das Volksbuchdes„ Fiziologul", das sich anbietet. Doch stoßen wir auch auf eine Darstellung des„ Ducipal"( Bukephalos), des wunderbaren Pferdes Alexander des Großen.
Die meist ganzseitigen Tafeln lassen neben den motivischen Zügen auch trachten-kundlich mancherlei erkennen, was der Besucher der entsprechenden Baudenk-mäler sonst per Distanz oft nicht erfassen kann. Das gilt vor allem auch für die Musik-instrumente, ebenso aber für Details der Trachten, die den Gegensatz zwischen öst-lichen und westlichen Kleidungsstücken widerspiegeln.
An der Peripherie der Bilder tauchen Fabelwesen und Gestalten mit halb zoomor-phen, halb anthropomorphen Zügen auf. Und nebeneinander kann man Samson imKampf mit dem Löwen und Bukephalos im Ringen mit einem Bären bestaunen. Wie-der eine andere Szene ist den verschiedenen Stationen des mönchischen Lebensgewidmet. Selbst Äsopsche Fabeln- Storch und Fuchs- tauchen in sehr lebhaftenFarben auf.
Das Bildmaterial ist nicht den berühmten Kirchen entnommen, die inzwischenweithin bekannt geworden sind, sondern führt zu noch entlegeneren Quellen.
Es ist hier nicht möglich, alle volkskundlichen Bezüge aufzuzeigen, doch wird manbeim Durchblättern des Bandes auf zahlreiche Bezüge zur Volkskunde einerseitsund zum Volksbuch andererseits stoßen, die nicht immer den uns bekannten Vorstel-
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