726 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
se- nicht in Möbel, sondern in Schmuck investierten. In einem Ka-pitel mit dem Titel» Was wird an Bräuchen 2007 noch gelebt, was istnoch bekannt, was ist vergessen?«< ist jener Fragebogen abgedruckt, der1919 vom Komitee für jüdische Volkskunde unter der Leitung EduardHoffmann- Krayers in Basel verfasst, aber nie versendet wurde( was zumRücktritt Hoffmann- Krayers als Präsident führte, S. 87). Im Folgendenpubliziert Peter Stein weitere Fragebogen. Auf den Ergebnissen einesFragebogens aus der Zeit um 1950 basiert die erwähnte Studie von Flo-rence Guggenheim. Im Jahr 2007 hat Peter Stein selbst Fragen formu-liert, um den Bestand» des jüdischen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums in der Schweiz«<( S. 92)zu erheben, mit denen er auf ganz konkrete Brauchhandlungen abhebt( Mappot, Holegrasch, Beschneidungsbank, Kissen für den ProphetenElia, Sedertücher, Schnoderbuch). Ein weiterer Fragebogen richtete sichan die Mitgliedern des» Verein[ s] für die Erhaltung des Friedhofes undder Synagogen Endingen- Lengnau«( wobei unklar ist, ob es sich bei denMitgliedern ausschließlich um Mitglieder jüdischen Glaubens handelt).Dort sind Sprache, Friedhof, Geburt, Eheschließung, Tod, Sabbat undHaus thematisiert. Die Ergebnisse der Erhebungen von 2007 sind alletabellarisch erfasst und abgedruckt( S. 92-102), jedoch nicht analysiertund kommentiert oder kontextualisiert.
So präsentiert sich ein fleißig zusammengewebtes Kompendium vonTexten, Informationen, Beschreibungen, Zitaten und Bildern( interes-sant die Sammlung von Abbildungen der» Chuppasteine« an westdeut-schen Synagogen), das die Leserin ratlos und teils fassungslos zurück-lässt, zumal kritische Reflexionen auf die verwendete, teils im histori-schen Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts fußende Sprache hinsichtlichder damals alltäglichen Rassismen und Antisemitismen nicht stattfinden(» Judendörfer«< im Titel,» Negerjuden Glossar ::: zum Glossareintrag Negerjuden«< in der Einleitung- um nur zweiBeispiele zu nennen). Es fehlt die Kontextualisierung in die bereits statt-gefundene aktuelle und quellenkritische Forschung zur jüdischen Regi-onalgeschichte und Kultur, auch wenn aus den wegweisenden Studienvon Freddy Raphaël immer wieder zitiert wird.
Michaela Haibl