Literatur der Volkskunde
Peter Stein: Lebendiges und untergegangenes jüdisches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum.Brauch gestern und heute, Brauch hier und dort mit besondererBerücksichtigung der Schweizerischen Judendörfer Endingen und Lengnau.Heidelberg u.a.: verlag regionalkultur 2010, 132 Seiten, zahlr. farb.und s/ w. Abb., 1 CD( mit dem gesamten Text als PDF).
Wieder liegt ein Versuch vor, sich» jüdischem Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum« zu widmenund eine handliche, anschauliche Darstellung zu liefern, die Geschichteund Gegenwart miteinander verbindet. Letzteres ist schon aufgrund derdoch differierenden Geschichte der Juden in der Schweiz, in Deutsch-land, Österreich, Frankreich, dem Elsaß und Italien( all dies nimmt sichPeter Stein vor) nicht möglich. Und so zeigt sich, dass es im vorliegendenBuch lediglich Perspektiven auf die bekannten und immer wieder publi-zierten Blicke und Spiegelungen des Bestandes sind, der seit Max Grun-wald zusammengetragen und teils publiziert wurde. Peter Stein arbeitetam Kanon einer historischen Volkskunde. Eigentlich interessieren ihnhauptsächlich die jüdischen Gemeinden Endingen und Lengnau. Undso stützt er sich auf die Forschungen von Florence Guggenheim, die inihrer Studie» Jiddisch auf alemannischem Sprachgebiet«< nicht nur dieSprache, sondern auch die praktizierte Kultur um 1950/60 untersuchthatte. Mangels anderer Quellen jedoch und voraussetzend, dass davonausgegangen werden kann, dass die» in unsern Dörfern vorhandene[ n]Objekte durchaus mit solchen im nahen Ausland vergleichbar sind«( S.11), benutzt Peter Stein zahlreiche Bildquellen, die bereits in der Ver-gangenheit in den Kompendien zur deutsch- jüdischen Geschichte undKultur publiziert wurden.
In einem Anhang werden» Anekdoten, Witze, Schnurren der Judenin Endingen und Lengnau«< präsentiert – ohne Kommentare, die das Ma-terial erläutern würden; gleiches gilt für die Lieder und Gedichte. Und eszeigt sich, dass die teilweisen Übersetzungen( S. 105) aus dem Jiddischenohne Kontexte dem weiteren Verständnis nicht dienlich sind.
Der ausladende und unbestimmte Titel(»... Brauch gestern und heu-te, Brauch hier und dort...<<) verweist schon auf das Problem des Buches.Peter Stein will alles abhandeln. Brauch im Lebenslauf wird von Geburtbis Tod und Gedenken behandelt( mit Beispielen aus verschiedenstendeutschsprachigen und anderen Regionen). Dem Hausrat widmet ereine halbe Seite( S. 75),( stereotypen Vorstellungen folgend) begründetmit der erzwungenen Nichtsesshaftigkeit von Juden, die- so seine The-
725