Ulrich Knufinke, Zur» Entdeckung« der historischen Synagogen im ersten Drittel des 20. Jhts.
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einem Artikel zur Einweihung des Tempels in der Oberstraße von 1931heißt es:»[ die Mitglieder] empfingen[ so] den ersten erschütterndenEindruck davon, wie heute insbesondere ein jüdisches Gotteshaus inSchlichtheit und Monumentalität zugleich gebaut werden könnte, wobeidie[...] übliche Nachahmung fremder Stile wie sie bisher für jüdische
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Sakralbauten gebräuchlich waren- gänzlich verlassen werden konnte.<< 49Die moderne Architektur versprach also eine Lösung der Stilfrage, siewar kein>> fremder«, vergangener, sondern ein gleichsam» eigener«, zeit-gemäßer Stil für jüdische Bauaufgaben.
Obwohl damit eine der Zielsetzungen der Dokumentation und Er-forschung historischer Bauwerke obsolet geworden war, nämlich ihreFruchtbarmachung zur Gestaltung eines genuin jüdischen Ausdrucksin neuer Architektur, gingen die Bemühungen um diese Zeugnisse derjüdischen Geschichte weiter. Sie etablierten sichmehr oder wenigererfolgreich als wissenschaftliches Forschungsfeld, das nach der Schoaund der Staatsgründung Israels neue Bedeutungsdimensionen erlangensollte. 50 Die Frage nach einer»( Rück-) Gewinnung« jüdischer Identitätaus der Rekonstruktion jüdischer Kulturen der Antike, des Mittelalters
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Urias: Zur Geschichte des Tempel- Neubaus. Aus den Bau- Akten. In: Bruno Italie-ner: Festschrift zum hundertzwanzigjährigen Bestehen des Israelitischen Tempels inHamburg 1817-1937. Hamburg 1937, S. 34-38, hier S. 36.
Als ein bedeutender Schritt in Richtung auf die Etablierung einer» jüdischen Ar-chitekturgeschichte« muss die Arbeit Krautheimers zu mittelalterlichen Synagogengelten: Richard Krautheimer: Mittelalterliche Synagogen. Berlin 1927. Als Über-blickswerk zur jüdischen Kunst, in dem auch Synagogen eine Rolle spielen, erschien1929: Ernst Cohn- Wiener: Die jüdische Kunst. Ihre Geschichte von den Anfängenbis zur Gegenwart. Berlin 1929. Auch nach 1933, zunächst noch in Deutschland, spä-ter in der Emigration, gingen die Forschungen weiter, so erschienen 1935 in Berlingrundlegende Werke wie von Rahel Wischnitzer- Bernstein: Symbole und Gestaltender jüdischen Kunst. Berlin- Schöneberg 1935; und von Franz Landsberger: Einfüh-in die jüdische Kunst. Berlin 1935. Noch nach der so genannten» Reichspog-romnacht«< kam 1939 in Deutschland ein letzter kunsthistorischer Artikel über Sy-nagogenarchitektur heraus, Rachel Wischnitzer- Bernstein: Die Synagoge in Ellricham Südharz. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums 83,1939, S. 493-508. Mit diesem Heft, das nicht mehr ausgeliefert wurde, musste dietraditionsreiche Zeitschrift, die zuletzt vom Jüdischen Kulturbund herausgegebenwurde, ihr Erscheinen einstellen( freundl. Mitteilung von Hanswulf Bloedhorn, Tü-bingen). Wischnitzer- Bernsteins ausführliche Beschreibung des Bauwerks beruhtauf ihrem Besuch im Jahr 1937( ebd. S. 508). Darauf, dass die Synagoge zum Zeit-punkt des Drucks bereits vernichtet war, gibt es keinen Hinweis.
rung