Ulrich Knufinke, Zur» Entdeckung« der historischen Synagogen im ersten Drittel des 20. Jhts.
BOBOUAPA
Abb. 9 Entwurf für eine Synagoge in Wien- Hietzing von Hugo Gorge, 1912( nach: Hammer- Schenk, wie Anm. 5)
gogen
und gründete in der Mitte der Zwanziger Jahre eine entsprechen-de Vereinigung.44
Zwei Jahre nach Awins Entwurf, im Jahr 1912, lieferte Hugo Gorge( 1883-1934) ein Projekt für eine neue Synagoge in Wien- Hietzing, derin der Abstraktion der älteren Vorbilder weiter ging als der VorschlagAwins.45 Die Reduktion des Baukörpers auf eine ungegliederte, kubi-sche Umhüllung des Versammlungsraums entsprach den Tendenzender zeitgenössischen Architektur, auf überflüssiges Dekor zu verzichten( Abb. 9). Für die Gestaltung der liturgisch wichtigen Orte griff Gorgeauf mittelalterliche bzw. frühneuzeitliche Vorbilder wie die Altneuschulin Prag oder die Synagoge in Krakau- Kazimierz zurück.
44 Awin publizierte seine Ansichten zur Notwendigkeit der Dokumentation jüdischenKulturguts auch in deutschsprachigen Zeitschriften, vgl. Joseph Awin: Anmerkun-gen zum Kapitel» jüdische Volkskunst«. In: Das Zelt 1, 1924, 5, S. 158-159; undders. Die Pflege unserer Kunstdenkmäler. In: Menorah 5, 1927, 6, S. 417–418.Zur Geschichte der Synagoge vgl. zum Beispiel Martens( wie Anm. 9), S. 134–142.
45
619