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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
die Geschichte des Synagogenbaus stellt er fest, man habe Synagogenzunächst in demselben Stil gebaut,» der gerade zeitgemäß und landesüb-lich war.<<
Grunwald, selbst einer der Initiatoren der jüdischen Volkskunde,schließt Bauwerke also aus den Objekten aus, die Aufschluss über einenspezifisch jüdischen Stil geben könnten. Ähnlich, aber mit einer Wen-dung, die fragende Neugier offen lässt, formuliert es der Architekt undArchäologe Ernst Hiller 1906 im Hinblick auf die zeitgenössische Situ-ation im Synagogenbau:» Man ist überrascht, wenn man beim Betreteneiner Synagoge oft denselben Eindruck empfängt, wie beim Eintritt ineine christliche Kirche.[...] Der Hauptgrund dieser[...] Erscheinung istvielleicht darin zu suchen, dass wohl der synagogale Ritus eine Traditionhat, aber die Stätte, wo er seit Jahrtausenden in annähernd gleicher Formgepflegt wurde, die Synagoge, hat keine Tradition, wenigstens ist bisheute noch keine bekannt.«< 10 Hillers Nachsatz lässt das Forschen nacheiner spezifisch jüdischen Bautradition zumindest offen, und tatsächlichkamen jüdische Bauwerke in dieser Zeit in den Blick der Bauforschung.
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einen zweiten, an dem sie verlesen wird. Jedenfalls ist von vornherein die Vorstel-lung auszuschließen, als habe man bei Synagogenbauten an das Vorbild des Tempelsgedacht. Der Tempel war im wesentlichen der Ort, an dem geopfert wurde; die Sy-nagoge die Stätte des Gebets. In der Synagoge versammelt sich das Volk, im Tempelwaltet der Priester«<; ebd., Hervorhebung i. O. gesperrt. Max Grunwald war 1898einer der Gründer der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg, wo er einjüdisches Museum aufzubauen begann( vgl. Christine Schatz, Die»> Gesellschaft fürjüdische Volkskunde«<, in: Vokus. Volkskundlich- kulturwissenschaftliche Schriften14, 2004, S. 121–134); online unter: http://www.kultur.uni-hamburg.de/volks-kunde/ Texte/ Vokus/ 2004-1u2/ vokus2004-1u2_s121-134.pdf( Zugriff: 28.9.2010).Grunwald gab ab 1898 auch die Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volks-kunde heraus; vgl. Christoph Daxelmüller: Dr. Max( Meir) Grunwald, Rabbiner;Volkskundler; Vergessener. Splitter aus der Geschichte des jüdischen Wiens undseines Museums. In: Wiener Jahrbuch für jüdische Geschichte, Kultur und Muse-umswesen 1, 1994/95, S. 89–106.
So schlägt er in seinem Artikel vor, zukünftige Synagogen im Anschluss an die Gotikzu errichten dies eventuell im Hinblick auf die neogotischen Synagogen des vonWien aus tätigen Architekten Max Fleischer. Zu den Wiener Synagogen vgl. zumBeispiel: Bob Martens, Herbert Peter: Die zerstörten Synagogen Wiens. VirtuelleStadtspaziergänge. Wien 2009.
Ernst Hiller: Betrachtungen über den modernen Synagogenbau. In: Ost und West6, 1906, 1, Sp. 29-36, hier Sp. 29. Vgl. auch die Interpretation von Hammer- Schenk( wie Anm. 5), S. 449-450.