Ulrich Knufinke, Zur» Entdeckung«< der historischen Synagogen im ersten Drittel des 20. Jhts.
Synagogenbauten den Anspruch auf Teilhabe und Anerkennung an der>> deutschen Kultur« zu demonstrieren. Als Erklärung für seine Stilwahlbeim Entwurf der Synagoge für Hannover( 1864 bis 1870 errichtet) for-muliert er:» Wahrlich, sind vom 9. bis 14. Jahrhundert die Synagogenim deutschen Style erbaut, schließt also der Ritus diesen Styl nicht aus,dann giebt es keine Frage mehr für den Baumeister der Neuzeit, ein jü-disches Gotteshaus auch im deutschen Style zu erbauen[...]. Der deutscheJude muß also im deutschen Staate auch im deutschen Style bauen[ Her-vorhebungen i. O. gesperrt].« 6 Mittelalterliche Synagogen waren also inder zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchaus bekannt, und einzelne,herausragende Bauwerke kamen in den Blick der Denkmalpfleger undArchitekten. So publizierte der Wiener jüdische Architekt Wilhelm Sti-assny bereits 1864 eine Bauaufnahme der mittelalterlichen Altneuschulin Prag in der Zeitschrift des Vereins» Wiener Bauhütte<<."
In der Frage nach einem angemessenen Erscheinungsbild von Syna-gogen und anderen jüdischen Einrichtungen hatte die Suche nach einerBegründung der Stilwahl aus historischen Überlegungen im 19. Jahr-hundert jedoch nicht zu einer einheitlichen und allgemein akzeptiertenAntwort geführt- neben den in Deutschland seit ungefähr 1870 vor-herrschenden neoromanischen Synagogen gab es solche in maurischerEinkleidung und in Formen der Renaissance. Der seinerzeit in Ham-burg tätige Max Grunwald( 1871-1953) konstatierte daher 1901 in derAllgemeinen Zeitung des Judentums:» Man baut Synagogen bisher ent-weder im Anschluß an die Umgebung, oder orientalisch Glossar ::: zum Glossareintrag orientalisch oder[...] nachwillkürlicher Stilbildung. Einen eigenen jüdischen Stil giebt es nicht.<«< 8 Für
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Zit. n. Harold Hammer- Schenk: Edwin Opplers Theorie des Synagogenbaus. Eman-zipationsversuche durch Architektur. In: Hannoversche Geschichtsblätter 33, 1979,4, S. 110–117.
Die drei Zeichnungen der Altneuschul sind veröffentlicht in: Publikationen des Ver-eines Wiener Bauhütte 3( 1864), Sektion 2, Abb. Nr. 2, 29 und 60; vgl. Satoko Tana-ka: Wilhelm Stiassny( 1842-1910). Synagogenbau, Orientalismus und jüdische Iden-tität. Wien, Diss. 2009, http://othes.univie.ac.at/6524/1/2009-08-02_0203702.pdf, Zugriff: 28.9.2010). Für den Hinweis danke ich herzlich Frau Satoko Friedl( Tanaka), Wien.
Max Grunwald: Wie baut man Synagogen? In: Allgemeine Zeitung des Judentums65, 1901, 10, S. 115-117, hier S. 116, Hervorhebung i. O. gesperrt, dort auch das fol-gende Zitat. Zur Unterscheidung zwischen Tempel und Synagoge führt er zuvor an,dass man sie in der Geschichte nicht miteinander vermengt habe:»[ Die Einrichtungder Synagoge] beschränkt sich auf einen Ort, an dem die Thorarolle aufbewahrt, und
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