Zur» Entdeckung« der historischenSynagogen im ersten Drittel
des 20. Jahrhunderts: architektur-geschichtlich- volkskundlicheForschung und ihre Resonanz imSynagogenbau¹
Ulrich Knufinke
>> Dem jüdischen Volke« ² widmet Kurt Goldenberg seine 1922 bei derTechnischen Hochschule zu Dresden eingereichte Dissertation überden>> Kultus- und Profanbau der Juden erläutert an Hand von Ham-burg- Altona- Wandsbek«. Eine akademische Zweckschrift wie eine ma-schinenschriftliche Dissertation gleich einem ganzen Volk zuzueignen,mag, zumal im Fach Kunst- oder Architekturgeschichte, ungewöhnlicherscheinen. Parallel formuliert zur Inschrift über dem Portal des Ber-liner Reichstags,» Dem deutschen Volke«<, dort angebracht 1916, zeigtdie Widmung an, welchen Stellenwert der Architekt Goldenberg seinemThema beimaẞ: Nicht» der jüdische Architekt« oder» der jüdische Bau-herr<< sollte sich der Funktionen und der Entwicklung jüdischer Bauwer-ke vergewissern, sondern ein ganzes Volk sollte es sich zur Aufgabe ma-chen, diesen Aspekt seiner Kultur und Geschichte zu würdigen.
1 Anregungen für diesen Beitrag erhielt der Verfasser im Zusammenhang mit einemForschungsprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Architekturgeschich-te jüdischer Gemeindeeinrichtungen in Deutschland seit 1945, das er zwischen 2006und 2008 an der Bet Tfila- Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa derTechnischen Universität Braunschweig und des Center for Jewish Art der HebrewUniversity of Jerusalem durchführen konnte.
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Kurt Goldenberg: Der Kultus- und Profanbau der Juden erläutert an Hand vonHamburg- Altona- Wandsbek. Masch. Man. Dresden 1922, Vorsatzblatt. Über Gol-denberg konnten bislang keine weiteren Informationen ermittelt werden.