Aufsatz in einer Zeitschrift 
Der andere 1. Mai : der sozialdemokratische Tag der Arbeit und die Formierung anderer Maifesttraditionen
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Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 2

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Gedruckter, doppelseitiger Gebetszettel des St. Joseph- Kirchenbau- Vereins mit Darstel-lungen des Hl. Joseph und der Weinhauser Pfarrkirche Hl. Josef, Wien, um 1880© Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien

ebenfalls wieder auf einen» traditionellen« Tag zurückgegriffen hatten.Der 1. Mai galt als Moving Day, ein Tag, an dem alte Arbeitsverhältnissegelöst und neue geknüpft wurden. Dies jedenfalls war keine zufälligeSetzung.

Die vielfach gebrauchte Formel von der» Auferstehung des Proletari-ats<< wiederum macht den katholischen Hintergrund und den kultischenCharakter des 1. Mai deutlich. So liegt auch der Vergleich mit katho-lischen Flurprozessionen wie dem Fronleichnamsumzug nahe( zuletztAlfred Gusenbauer[ damals Bundeskanzler], zitiert in der katholischenWochenzeitung Die Furche vom 4. Mai 2006), hier durch die Fluren, dadurch die Straßen der Städte. Falsch wäre es, hier simple Analogien zusehen. Richtig hingegen ist, in der Dauer und Verfestigung der sozial-demokratischen Maifeiern mit all ihren ideologischen wie traditionellenElementen Gemeinschafts- und Traditionsbildung zu erkennen.» Ausder proletarischen Masse entsteht die durch das gemeinsame Ideengutgeeinte Gemeinschaft, welche in der Maifeier als brauchtragende Ge-meinschaft hervortritt.«( Richard Weiß, 1943).