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Der andere 1. Mai : der sozialdemokratische Tag der Arbeit und die Formierung anderer Maifesttraditionen
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 2

Papst Pius IX. ernannte Josef 1870 zum Patron der Universalkirche undso war es nur logisch, dass der österreichische politische Katholizismusden beliebten Heiligen mit Handwerkertradition für seine Zwecke in-strumentalisierte. Popularisiert wurde dieses Bild des arbeitenden Josefdurch Josefi- Feiern am 19. März mit Gottesdiensten, Prozessionen undanschließenden populären Festlichkeiten. Auch entsprechende Druck-graphiken, die Josef als Arbeiter und dem» niederen Stande« angehörigauswiesen, trugen zur Verbreitung der Josefsverehrung bei.

Für Wien ist im Zusammenhang mit der Ende des 19. Jahrhundertszentral gewordenen Arbeiterfrage auf den» Arbeiterpriester<< Anton Ma-ria Schwarz, Gründer der Ordensgemeinschaft der Kalasantiner, hinzu-weisen, der einen Verein zur Verehrung des Hl. Josef gründete und sichim besonderen Arbeitern und Lehrlingen widmete. 1889 entstand amMariahilfergürtel das erste Ordenshaus. Die Stadterweiterung mit ih-ren massenhaften Arbeiterquartieren veranlassten ihn zu einer weiterenNiederlassung im 14. Bezirk mit der Einweihung von Kirche und Kolle-gium St. Josef im Jahr 1897. Mit ähnlichen Zielsetzungen, etwas früherund international wirkmächtiger in der kirchlich- sozialen Jugendarbeitwaren die aus Gesellenvereinen in Deutschland hervorgegangene Kol-pingbewegung und die Erziehungs- und Bildungsstätten für Jugendli-che aus sozial schwachen Verhältnissen des italienischen SalesianerpatersDon Bosco.

In der Zeit des Austrofaschismus, in der die Verbindung von Kircheund Staat zum Programm erklärt wurde, setzte man sichtbare kirchen-politische Zeichen durch neue, wenn auch künstlerisch wenig anspre-chende Architektur. Die Kirchen zum Hl. Josef vom Wolfersberg( 14.Bezirk), von Sandleiten( 16. Bezirk) und Eßling( 22.Bezirk) zählen zudiesem Typus von St. Josefs- Kirchen. Das Fehlen von Kirchen in denArbeiterbezirken veranlasste rührige Priester wie den aus Vorarlberggebürtigen Josef Gorbach zur Gründung von behelfsmäßigen Notkir-chen, die als so genannte Arbeiterkirchen in aufgelassenen Fabriken oderin Baracken eingerichtet wurden. Nach den Zerstörungen des ZweitenWeltkrieges entstanden weitere derartige Notkirchen, von denen etwaSt. Josef der Arbeiter in Groß- Jedlersdorf im 21. Bezirk bis heute alsSeelsorgestation( der Pfarre St. Markus in Floridsdorf) geführt wird.Daneben gibt es in den Wiener Innenbezirken Josefs- Kirchen älterenUrsprungs, wie St. Josef in der Leopoldstadt( 2. Bezirk), St. Josef zuMargareten( 5. Bezirk), St. Josef ob der Laimgrube( 6. Bezirk). Die 1893eingeweihte Kirche St. Josef in Weinhaus im bürgerlichen 18. Bezirk in