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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 2
gemacht habe und meine gesamtdeutsche Einstellung den Fachkollegendurchaus bekannt ist. Wegen der vielen Hemmnisse befriedigt das Er-reichte nur den Verhältnissen entsprechend, jedoch nicht als Lebensleis-tung. Aber wem aus unserer> verheizten Generation< ergeht es besser?<< ¹Stand in Gesellschaft und Wissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg vorallem sein ehemaliger( im SS- Ahnenerbe tätig gewesener) Konkurrent,der Wiener Universitätsprofessor Richard Wolfram, ² im Mittelpunkt,so darf dies nicht über Haidings Machtfülle während der NS- Zeit wieauch seine gute Position in Bezug auf wissenschaftliche Aktivitäten undNetzwerke nach 1945 hinwegtäuschen.
Der vorliegende Aufsatz versteht sich als Zwischenbericht einesForschungsprojekts zur Person Karl Haiding. Nach einer kurzen Skiz-zierung des Forschungsstands wird die Biographie Haidings, vor allemhinsichtlich ihrer NS- Bezüge, thematisiert. Dieser Zugang erfolgt auseiner geschichtswissenschaftlichen Perspektive- eine Auswertung desInhalts der volkskundlichen Arbeit Haidings kann in diesem Rahmennicht geleistet werden. Die Frage nach den privaten wie beruflichenNetzwerken, die ein wesentlicher Bestandteil von Haidings Wirken wa-
1 Karl Haiding an Hedwig von Lölhöffel, Stainach, 3.10.1974. Universalmuseum Joan-neum( UMJ), Schloss Trautenfels( Trautenfels), Nachlass( NL) Karl Haiding( KH).Der Nachlass von Karl Haiding ist derzeit weder öffentlich zugänglich, noch wissen-schaftlich erschlossen. Die Quellennachweise beziehen sich daher auf den gesamtenNachlass, dessen Erschließung jedoch geplant ist. Die Basis des vorliegenden Aufsat-zes bildet ein Forschungsprojekt zu Karl Haiding, das von der Autorin 2009 im Auf-trag des Ludwig Boltzmann Instituts für Gesellschafts- und Kulturgeschichte Grazfür das Landesmuseum Joanneum( heute UMJ) durchgeführt wurde. Unter Sichtungdes Nachlasses sollte dabei eine möglichst vollständige Biographie des Volkskundlersbezüglich seiner nationalsozialistischen Vergangenheit erstellt werden. Vgl. UrsulaMindler: Dr. Karl Haiding. Eine biographische Skizze. Unveröffentlichter Projekt-Abschlussbericht. Graz 2009. Dank gilt vor allem Uwe Baur, Stefan Benedik, SwenUwe Devantier, Ulrike Kammerhofer- Aggermann, Katharina Krenn, Gerald Lam-precht, Ernst Mindler und Eduard Staudinger.- Der vorliegende Aufsatz erscheintin englischer Sprache 2010 im Böhlau Verlag in: Helmut Konrad( Hg.): MappingContemporary History 2.
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Wolfram war von 1939 bis 1945 und von 1959 bis 1972 Universitätsprofessor inWien. Zu Wolfram vgl. u.a. Ulrike Kammerhofer- Aggermann: In memoriam Ri-chard Wolfram( 1901-1995), in: Volkskunde und Brauchtumspflege Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumspflege im National-sozialismus in Salzburg(= Salzburger Beiträge zur Volkskunde, 8). Salzburg 1996,S. 399-400; Olaf Bockhorn( Hg.): Kulturelles Erbe und Aneignung. Festschrift fürRichard Wolfram zum 80. Geburtstag. Wien 1982.