Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde113 (2010) / N.S. 64Nikitsch, Herbert: Populare Religiosität: Traditionen und Transformationen

  
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Populare Religiosität: Traditionen und Transformationen : einige Beispiele aus Niederösterreich
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54 Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 1

in seiner»> Volkskunde von Niederösterreich«< die Rolle der Sakramentali-en,» der geweihten Gegenstände, der kleinen Schutz- und Abwehrmittelaus dem Bereich der sakramentalen Segnung«<, für den» Volksglauben imLande<< hervorgehoben hat¹6, so unterstreicht auch diese Beobachtung dieWechselbeziehungen und Abhängigkeiten sogenannter religiöser> Volks-kultur mit und von dem offiziellen kirchlichen Umfeld.

So sind wir in diesem Zusammenhang also auch gut beraten, alleVorstellungen»> vom prälogisch denkenden Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitiven oder zumindestentwicklungsgeschichtlich rückständig verbliebenen Ungebildeten frü-herer Tage bei uns zu Lande oder gar noch heutigentags in sogenanntenReliktgebieten«< 7 zu verabschieden. Dies nicht zuletzt, weil solche Vor-stellungen übersehen, wie sehr» Tradition und Modernisierung«< 18 einan-der nicht nur nicht ausschließen, sondern geradezu bedingen, wie sehr soauch> traditionelles< Glaubensgut mit den Requisiten und Vorgaben> mo-derner< Zeitläufte korrespondiert und sich ihrer bedient. So hat beispiels-weise das Wallfahrtswesen» in und nach der Jahrhundertwende geradedurch die Eisenbahnerschließung[...] einen kräftigen Aufschwung«< 19 ge-nommen- womit nicht nur ein klassischer Bereich der> Volksfrömmig-keit angesprochen ist, sondern auch ein Phänomen, an dem das Ineinan-der von tradierter institutionalisierter Religiosität und deren> modernen<individualistischen Formen deutlich wird.

Als» katholisches Kulturmuster« 20 par excellence ist die Wallfahrtstets im Mittelpunkt einschlägigen Interesses gestanden ebenso wiedie Erscheinungen des Votivwesens, das eines der zentralen Elementeder Grundstruktur dieser» Sonderform der Religionsübungen« ² ist: DasNuminose manifestiert sich an einem bestimmten Ort, zu dem Gläubigein allgemein- andächtiger Intention, meist aber in Hoffnung auf Er-

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Schmidt( wie Anm. 4), S. 102.» Was mit dem Ritus der Kirche in Verbindung getre-ten war, was auch nur im entferntesten als besonders gesegnet angesprochen werdenkonnte, wurde[...] dem Schatz der geistlichen Hausmittel inkorporiert.<<( ebda.)Brückner( wie Anm. 2), S. 155.

18 Hermann Bausinger: Tradition und Modernisierung. In: Schweizerisches Archiv für

Volkskunde 87, 1991, S. 5-14.

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Brückner( wie Anm. 2), S. 156.

20 Martin Scharfe: Über die Religion. Glaube und Zweifel in der Volkskultur. Köln,

Weimar, Wien 2004, S. 147.

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Ebda.